Mein Leben, Privates

Verzicht – 6 Wochen (oder länger) ohne Alkohol

Der Januar ist ja der typische Monat, wo viele Menschen sagen, dass sie kein Alkohol trinken möchten (mehr Sport machen möchten, sich gesünder ernähren möchten usw…).

Normalerweise gehöre ich nicht zu diesen Menschen und auch dieses Mal ist es eher Zufall, dass ich mir die Zeit ohne Alkohol den Januar ausgesucht habe. Nachdem ich das Thema „den Januar ohne Alkohol“ in ein oder zwei Podcasts gehört habe (okay ganz so zufällig ist der Zeitpunkt wohl doch nicht) – habe ich im Urlaub mir zwei Bücher zu dem Thema runtergeladen.
Einmal Nüchtern betrachtet war’s betrunken nicht so berauschend: Ein Trip in die Freiheit“ und  danach noch das englische Buch Sober Curious: The Blissful Sleep, Greater Focus, Limitless Presence, and Deep Connection Awaiting Us All on the Other Side of Alcohol“, weil ich mich mehr mit der Thematik beschäftigen wollte.
(Beide Links enthalten Affiliate-Links)

Wann und wie trinkt man (bzw. ich) eigentlich Alkohol? Und ich meine jetzt keine Massen, sondern es geht um ein Glas Wein oder ein Bier oder ein Schnaps nach dem Essen… Okay bei den beiden letzten Punkten bin ich eh raus, aber bei Wein und Gin Tonic. Jep, da finde ich mich wieder.

Es geht mir weniger darum, was noch „normal“ ist, denn das artet oft in wenig hilfreichen Diskussionen aus, sondern es geht mir darum, mein eigenes Verhalten genauer zu betrachten. Wie oft trinke ich ein oder zwei Gläser Wein im Urlaub? Schon mehr Tage, als dass ich keinen trinke?
Wann trinke ich im Alltag? Oft, wenn ich mich mit abends Freunden zum Essen treffe, was je nachdem wie meine Woche aussieht gar nicht, oder nur am Wochenende sein kann, oder aber auch mal 3-4 Mal in der Woche. Ein Glas Wein und danach Wasser, okay, aber es bleibt dabei: Ich habe Alkohol getrunken.

Ich habe überlegt, wann es das letzte Mal war, dass ich so richtig betrunken war, so wie damals zu Teeniezeiten. Ist Gott sei Dank schon lange her, dennoch würde ich sagen, dass Alkohol ein mehr oder weniger fester Bestandteil in meinem Leben ist. Und das nicht, weil ich denke, dass ich ihn brauche, sondern weil ich zum Teil denke, dass mein Sozialleben ihn zum Teil braucht!

Ich habe weder das starke Verlangen Alkohol zu trinken, noch vernachlässige ich Interessen, wenn ich ihn trinke oder vernachlässige Bereiche in meinem Leben. Aber wie oft wird man komisch angeschaut, wenn man mit Freunden unterwegs ist und man sagt, dass man heute nichts trinkt (außer man fährt Auto, das ist eine der wenigen Antworten, die tragbar sind).
Abends in eine Bar mit Freunden gehen und einen alkoholfreien Cocktail trinken? Auch da kommen oft unbewusst komische Blicke (in meinem Alter heißt es dann eh oft gleich „bist Du schwanger?“ „Ähm nein, ich trinke heute einfach nur nicht“).
Als ich im Urlaub am letzten Tag zum Mittagessen in einem Restaurant mit angeschlossenen Weingut war, wurde ich vom Kellner fast vorwurfsvoll angeschaut, als ich beim Kellner nur ein Wasser bestellt habe. Danach sank die Temperatur der Freundlichkeit um ein bis zwei Grad. Stimmte das? Weil ich keinen Alkohol trinken wollte oder habe ich mir das nur eingebildet?

Vieles davon sind automatische Reaktionen, wenn man in unserer Gesellschaft lebt.

In dem ersten Buch, von dem ich oben erzählt habe, beschreibt die Autorin die Situation, dass andere sie gefragt oben, ob sie denn ein Alkoholprobem hätte… nachdem sie erzählt hat, dass sie aktuell nicht trinkt. Das Gegenüber fühlt sich oft unbewusst angegriffen, wenn der andere nicht trinkt. Verrückt, oder?

Natürlich kommt das auch ganz auf die Lebenssituation an. Wenn ich jetzt eine Mama mit zwei kleinen Kindern Zuhause wäre, dann würden die Gelegenheiten zum gesellschaftlichen Trinken vielleicht anders aussehen als bei mir als Single in der Großstadt, wo ich abends öfter unterwegs bin.

Warum ich über das Thema schreibe? Weil ich es spannend finde! Es ein Thema, was in unserer Gesellschaft oft nur schwierig thematisiert werden kann. Wenn man drüber redet, ob man trinkt, warum man trinkt und wie oft, ist man gleich Alkoholiker. Warum reden wir  nicht entspannt über Alkohol, ohne gleich den Zeigefinger zu erheben?
Die Bücher haben mich zum Nachdenken angeregt. Wann und wie trinke ich? Trinke ich Alkohol, weil es mir schmeckt? Fühle ich mich leistungsfähiger, wenn ich längere Zeit gar nichts trinke? Wie fühle ich mich bei Geburtstagen, Veranstaltungen, Partys und co, wenn ich als einzige gar nichts trinke? Weil es bei bestimmten Gelegenheiten Gewohnheit ist?

Alkohol ist in unserer Gesellschaft sehr akzeptiert und wird teilweise sogar als cool dargestellt. Zumindest, wenn man es aus schicken Gläsern trinkt und nicht den Flachmann an der Supermarktkasse mittags um zwölf kauft (Sind wir ehrlich, das Bild oben würde mit einem Wasserglas anders wirken). Obwohl Alkohol am Ende eine Droge ist und ich Drogen jeglicher Art ansonsten verabscheue (ich rauche nicht, habe noch nie gekifft oder sonst irgendwelche Drogen genommen). Warum ist das bei Alkohol also anders?

Aus diesem Grund werde ich zunächst bis Ende Februar keinen Alkohol trinken. Das sind etwas mehr als 6 Wochen. Wann war das letzte Mal, dass ich 6 Wochen gar keinen Schluck Alkohol getrunken habe? Letztes Jahr bei der Yogaausbildung waren es 4 Wochen, aber davor… Wird schon eine Weile her gewesen sein.

Ich bin gespannt darauf, wie ich nach dieser Zeit denke und ob ich danach noch länger auf Wein und Gin Tonic verzichte.
Ob es komische Augenblicke geben wird, ob es mir leicht fällt, oder ob ich mich doch mal nach einem Glas Wein sehnen werde und dann werde ich es vor allem spannend finden, warum ich es gerade vermisse. Vielleicht weil ich etwas feiern will und ich sonst oft so Gelegenheiten feiere? Weil ich mich ausgeschlossen fühlen könnte?

Ich bin gespannt und freue mich auf die nächsten Wochen.

Liebste Grüße,
Ricarda

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25 Kommentare
  1. Anne

    17. Januar 2019 um 8:11

    Ich finde das auch ein super spannendes Thema.Ich selber trinke eigentlich keinen Alkohol ( maximal 2 Gläser Rotwein mit Cola gemischt im Jahr) und gerate immer wieder in Situationen, wo man nicht versteht, dass ich keinen Alkohol trinken will und dann werden die seltsamsten Schlüsse gezogen.Mein Highlight bisher war eine Hochzeit, wo ich drei Leute kannte. EINE mir völlig unbekannte Frau kam auf mich zu und gratulierte mir, ich müsse ja schwanger sein, weil ich keinen Alkohol trinken.Ja, wie unverschämt.

    Ich wünsche dir eine gute Zeit und bin gespannt, was du nach den sechs Wochen berichten wirst:)

    Antworten

  2. Steffi

    17. Januar 2019 um 8:12

    Hallo Ricarda,
    Ich finde das ein sehr spannendes Thema. Ich trinke keinen Alkohol. Aus dem einfachen Grund, weil er mir nicht schmeckt. Weder Wein, noch Bier. Früher mal einen Cocktail oder einen Likör, aber das habe ich auch komplett aufgehört. Und ja, auch ich werde oft komisch angeschaut und man begegnet mir mit Unverständnis oder der “Bist du schwanger?-Frage“ und ich muss mich dann erklären. Für viele ist das total seltsam, dass man einfach so keinen Alkohol trinkt.

    Bin sehr gespannt, wie es dir ergeht und was für Erfahrungen du machst.

    Viele Grüße
    Steffi

    Antworten

  3. Kdidit

    17. Januar 2019 um 8:42

    bei mir ist es andersrum: wenn ich mal alkohol bestelle, schauen mich alle seltsam an, weil sie gewohnt sind, dass ich eigentlich sonst überhaupt keinen trinke… :-)
    aber ja, finde ich gut. warum sollte man nicht immer wieder mal eine zeit einlegen, in denen man sich gewissen dinge und verhaltensweisen bewusst macht – egal was es betrifft?
    die besagten verhaltensweisen der „anderen“ nehme ich nicht mal wahr, weil es für mich einfach so normal ist, eben keinen alkohol zu trinken :-)
    ich wünsch dir eine spannende zeit!
    lg kathrin

    Antworten

  4. Laura

    17. Januar 2019 um 8:45

    Hallo Ricarda,
    Ich trinke auch keinen Alkohol, weil er mir einfach nicht schmeckt und werde dafür auch immer komisch angesehen.
    Ich habe im Südafrikaurlaub bei einem Weingut „Grapetiser“ (wie auch immer man das schreibt) entdeckt und mittlerweile gibt es so etwas auch in Deutschland. Das ist gesprudelter Traubensaft.
    Zu besonderen Anlässen hole ich also eine Flasche aus dem Keller und trinke davon ein Gläschen. Sieht farblich aus wie Sekt und wäre auf deinem Foto oben wahrscheinlich als Weißwein durchgegangen. 😉
    Viele Grüße und viel Spaß beim Erklären den Anderen gegenüber.
    Laura

    Antworten

  5. Katharina

    17. Januar 2019 um 9:19

    Das Thema ist sehr spannend!
    Ich habe 3 Jahre lang keinen Alkohol getrunken und ebenfalls gemerkt, dass man tatsächlich gesellschaftlich an einen Rand kommt, wenn man nicht trinkt. Ich bestellte dann auch gerne alkoholfreies Alster oder habe sogar alkoholfreien Wein gekauft, der tatsächlich mit dem Wort „Verarsche“ kommentiert wurde.
    Auch wenn ich jetzt wieder etwas trinke, bemerke ich oft, dass unsere Gesellschaft ein Alkoholproblem hat. Und während die Zigaretten nach und nach verbannt werden (was ich ebenfalls für richtig und wichtig erachte), wird es wohl beim Alkohol noch lange dauern, bis es ein Umdenken geben wird…

    Ich wünsche dir schöne 6 Wochen!
    Liebe Grüße
    Katharina

    Antworten

  6. Muddi

    17. Januar 2019 um 9:24

    Lustig, daß das Thema für Dich erwähnenswert ist. Ich habe durch die Schwangerschaften viele Jahre nix trinken gedurft und bin es jetzt nicht mehr gewohnt, dh ich brauche überhaupt kein Prozentiges im Glas, mir ist Tee in der Hand viel selbstverständlicher. Alkohol ist Streß, weil ich darauf achten muß/will, daß ich keinen Unfug rede, weil ich ja nix mehr gewohnt bin. Die Umgebung hat damit kein Problem. Ich habe schon als Jugendliche erst probiert, als es keine Mutprobe sondern egal war. Mir war immer wichtig, bei vollem Bewusstsein zu bleiben, und insofern war es praktisch, daß ich vor den Kindern recht viel vertragen habe.
    Warum denkst Du nur über Alkohol nach? Eßgewohnheiten (egal ob vegan, bio, medizinische Gründe) sind auch etwas, die gerechtfertigt werden sollen. Und da die Summe der Laster konstant bleibt: in 10 Jahren denkst Du vielleicht gar nicht mehr über Alkohol sondern über ganz andere Laster nach, sei es Fertigessen oder Bezahlsport, Bildschirmzeiten oder Modediktat, wo Du Dich in Deiner Umgebung rechtfertigen sollst, wenn Du etwas ändern willst.
    Mach das, was Du wirklich willst. Und beantworte Fragen ‚warum trinkst Du NICHT‘ mit ‚warum sollte ich?‘. Sollen doch die anderen sich rechtfertigen, warum sie etwas von Dir einfordern, das keinen etwas angeht. Keine Party ist gut, weil alle angeschiggert sind. Und wenn doch, paßt Du vielleicht gar nicht in diesen Kreis! Alkohol ist Privatsache. Du mußt Dich bei niemandem rechtfertigen.

    Antworten

    • Ricarda

      17. Januar 2019 um 12:48

      Danke Dir für Deinen Kommentar! Ich erwähne es nicht, weil ich es rechtfertigen muss, sondern weil ich mir in den letzten Tagen einige Gedanken dazu gemacht habe und es interessant finde. Und ich schreibe gern auch über das, was ich denke, um vielleicht andere auch zum nachdenken anzuregen. :)

      Antworten

  7. Manuela

    17. Januar 2019 um 9:33

    Hallo Ricarda,
    mir geht es da ja eher so wie dir, auch ein Großstadtkind… Und mal eben einen Wein zum Essen oder Ausgehen ist irgendwie lecker und gehört dazu. Oder nicht??? Diese Frage habe ich mir tatsächlich in den letzten Wochen auch gestellt, weil es eben nicht nur ab und zu mal ein Glas Wein ist sondern eine gewisse Regelmäßigkeit von mehreren Malen in der Woche bekommt.
    Ich überlege schon, ob ich mich deinem Vorhaben jetzt einfach anschließe oder erst noch abwarte, was du so zu berichten hast ;-)
    LG Manuela

    Antworten

    • Ricarda

      17. Januar 2019 um 12:49

      Ich versteh Dich sehr gut Manuela! Ja genau, so nach und nach kann es sich zur Gewohnheit einschleichen. :)

      Antworten

  8. Merle

    17. Januar 2019 um 9:54

    Liebe Ricarda,
    Mir geht es genauso wie dir. Ich habe mir das in diesem Januar auch vorgenommen, da es für mich schon fast zum gesellschaftlichen Zwang geworden ist.
    Ich bin 25 und bei einem meiner Freundeskreise geht nichts ohne Alkohol. Früher bin ich gerne auch ohne Alkohol feiern gewesen aber in diesem Freundeskreis hat das irgendwie gar nicht mehr funktioniert. Deshalb werde ich den Januar trotz komischer Blicke durchziehen und vielleicht sogar häufiger mal keinen Alkohol trinken, in der Hoffnung, dass dieses Zwanggefühl einfach nicht mehr hochkommt.

    Viele Grüße und Danke für den tollen Beitrag!
    Merle

    Antworten

  9. Elke becker

    17. Januar 2019 um 9:55

    Hallo Ricarda!
    Ja kein Alkohol trinken, da wird man schon komisch angeschaut. Gilt als Spaßbremse. Ich kann sa zum Glück sehr konsequent sein (könnte ich das auch bei Schokolade etc.)
    Hab in den letzten 2 Jahren folgende Erfahrung gemacht:
    Es hat sich ein neuer Freundeskreis aufgetan. Um „dazu gehöhren“ hab ich dann auch 2-3 Gläser Sekt bei jedem Treffen getrunken . Merkte jedoch: eh das bin ich nicht. (Ich kann auch Alkohol trinken aber nicht jedes mal, und vor allem wenn der Sohn mit dabei ist)
    Als ich dann gesagt habe, ich will das nicht mehr, haben mir die anderen schon unterstellt, ich würde sie als Alkoholiker bezeichnen… so kann alles verdreht werden.
    Jetzt werde ich so akzeptiert. Es passt den anderen zwar nicht immer (Eben Spaßbremse und so) aber ich werde mich dafür nicht mehr umbiegen… jeder ist so wie er ist.

    LG Elke

    Antworten

  10. Sonja

    17. Januar 2019 um 10:24

    Huhu,

    ich trinke tatsächlich ziemlich selten Alkohol.

    Inzwischen haben das alle um mich herum akzeptiert, dass ich halt meine Cola trinken, während sie ihren Wein genießen. Allein (am Abend) macht es mir einfach keinen Spaß und wenn ich abends (also falls ich abends) mal ausgehe, dann mit eigentlich immer mit dem Auto. Schwach kann ich eigentlich nur bei Cocktails werden, da gibt es aber zum Glück auch welche ohne Alkohol. Hier hindert mich eigentlich immer nur der hohe Preis mehr als ein Glas zu genießen.

    LG
    Zottellotte Sonja

    Antworten

  11. Janine

    17. Januar 2019 um 11:49

    Hallo,

    Ich bin 26 und habe vor 4 Jahren habe ich in einer Firma gearbeitet in der es tatsächlich noch normal war auch in der Woche abends in der Firma oder in der Mittagspause Alkohol zu trinken. In meinen jungen Jahren fand ich das oft super und das arbeitsklima war dadurch super und entspannt. Aber ich habe in der Zeit auch extrem zugenommen. Also habe ich in dieser Firma aufgehört Alkohol und Zucker zu mir zu nehmen. Was anfangs dann auch für alles meine Ausrede war: „ich nehme ab“.

    Die Ausrede wurde auch super angenommen. Dennoch kenne ich diese negativen Blicke und Überredungsversuche.

    Mittlerweile trinke ich wieder 1-2 mal im Jahr Alkohol, aber brauchen tue ich es absolut nicht. Und ohne fühle ich mich persönlich auch viel besser.

    Liebe Grüße

    Janine

    Antworten

  12. Jana

    17. Januar 2019 um 13:15

    Ich trinke gar keinen Alkohol und bin 24 Jahre alt und werde auch nie welchen trinken – genauso wie mit Kaffee. Ich trinke keinen, weil ich zum einen Herzfehler habe und mit meinen Medikamenten nicht passt und zum anderen ist der Geruch wirklich nicht sehr angenehm,so rauche ich auch nicht. Alkohol ist überhaupt nicht cool, sondern bei übermäßigen Konsum genauso schlimm wie andere Drogen/ Suchtmittel – ich bin der Meinung das diese Sachen auch erst ab 21 Jahren verkauft werden sollte, wie in Amerika. Mein Herzensmann mischt sich manchmal Cocktails oder Energiedrinks mit irgendwelchen Sachen, ich sage nichts und lass ihn machen und akzeptiere, dass er das völlige Gegenteil von mir ist.

    Antworten

  13. Jenny

    17. Januar 2019 um 14:08

    Ich persönlich halte nichts von Verzicht – aus dem Grund, dass es dann zu etwas „Verbotenem“ wird und sehe es für mich nicht ein, auf etwas zu verzichten, wenn ich es auch einfach als Luxus und Wohltat empfinde und es in Maßen und nicht Massen konsumieren kann? Warum sich absichtlich in die Lage bringen, etwas zu vermissen, wenn Du einfach für Dich ganz bewusst ein Glas Wein genießen kannst?
    Genauso wie bei allen Dingen im Leben geht es um das Maß und auch sein Mindset: Bestes Beispiel Diät. Man kann nicht langfristig gesund sein, wenn man immer wieder in alte und schlechte Gewohnheiten zurückfällt, wie sich eine Tafel Schokolade reinzuhauen. Entschließe ich mich dazu, am Abend ein Stück Schokolade zu essen, kann ich genießen, was mir schmeckt und mir gut tut und muss nicht darauf verzichten. So wird aus der kurzfristigen Diät eine Umstellung in den Essensgewohnheiten, die viel langfristiger ist und auch funktioniert.

    Antworten

  14. Hana Mond

    17. Januar 2019 um 15:29

    So ein Verzicht kann sinnvoll sein, um zu testen, wie sehr man etwas (gerade Rauschmittel wie Alkohol) tatsächlich vermisst – und damit zu überprüfen, ob der eigene Konsum noch in einem unproblematischen Rahmen liegt.
    Ich persönlich achte darauf, in keiner Art von Situation _immer_ Alkohol zu trinken, sondern jede Situation auch alkoholfrei genießen zu können – denn bestimmte Situationen fest mit Alkohol zu verknüpfen ist der erste Schritt zu einem problematischen Umgang damit (extrem seltene Situationen wie Silvester oder Hochzeiten mal außen vor). Ich möchte, dass Alkohol für mich ein Genussmittel bleibt und keinesfalls eine _Gewohnheit_ wird.

    Ebenso kann ein Verzicht ein Mittel sein, die eigenen Mengen-Gewohnheiten zu regulieren – wer eine Weile auf Zucker verzichtet, gewöhnt sich an weniger süßes Essen, wer eine Weile auf Alkohol verzichtet, verringert die Verknüpfung bestimmter sozialer Events mit Alkohol (bzw. den Automatismus, in bestimmten Situationen zum Alkohol zu greifen).

    Ob man für sich selbst temporären Verzicht als Einstieg zur dauerhaften Regulation wählt oder letzteres direkt angeht, ist eine Typfrage – dem einen liegt das eine, dem anderen das andere mehr.

    Antworten

  15. dieManu

    17. Januar 2019 um 17:08

    Ich trinke auch so gut wie nie Alkohol. Früher in Mengen, aber geschmeckt hat es mir nie wirklich, ich mag den Zustand nicht in dem man sich als betrunkene oder beschwipste Person befindet und ich musste meistens erst wo hin fahren um zu feiern. Folglich hatte ich sowieso nie so oft die Gelegenheit. Ausser wenn ich mal im Auto geschlafen habe weils zu viel war.
    Anfangs hat mich auch immer jeder gefragt wieso, weshalb, warum (gott sei dank nie, ob ich denn schwanger sei ^_^). Aber Freunde und Bekannte haben sich schnell dran gewöhnt und auch wenn ich beruflich unterwegs bin oder selten mal auf partys fragen mich die Leute eigentlich auch nicht. Ich sag nur immer, dass ich nichts will und das wars. Wenn mal jemand wirklich penetrant meint „ach komm. Ein Schnaps geht schon“ und er es auch nach 10x „nein“ nicht kapieren will dann bleibt das bestellte glas einfach stehen bzw schiebe ich es unhöflich (in provaten situationen) mit einem geekelten gesicht weg von mir.
    Meinen Mann stört es teilweise dass ich nichts trinke, aber mit dem muss er leben. Als er letztens im Scherz gemeint hat „was hab ich da blos geheiratet“ kam von mir als Antwort „einen Fahrer“. Schließlich genießt er es schon auch, dass wir nicht diskutieren müssen wer denn an dem Abend was trinken oder nicht trinken darf.

    Antworten

  16. Janine

    17. Januar 2019 um 18:39

    Liebe Ricarda,

    danke, dass du deine Gedanken mit uns teilst.
    Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, allerdings in Bezug auf Zucker. Da ich mich eine Zeitlang nur von Süßkram ernährt habe, wollte ich in einer Art Fastenzeit testen, ob ich es schaffe sechs Wochen auf Zucker zu verzichten. In meinem Freundeskreis habe ich es nicht groß thematisiert oder gar mit dem erhobenen Zeigefinger danebengestanden, dennoch hatte ich ständig das Gefühl, die Leute müssten sich rechtfertigen, dass sich grade einen Schokoriegel oder Eis oder wasauchimmer gönnen. Sätze wie „ich esse ja nicht viel Süßkram, aber einmal am Tag ein Schokolade brauche ich einfach“ – so als ob sie eine Art schlechtes Gewissen hätten.
    Ich wünsche dir, dass dein Freundeskreis dein Experiment akzeptieren und du positive Erfahrungen machen kannst.

    Liebe Grüße,
    Janine

    Antworten

  17. Alexandra

    17. Januar 2019 um 19:42

    Sehr interessantes Experiment.
    Ich trinke jetzt seit im April 30 😯(oh bin ich alt) Jahren keinen Alkohol, auch nicht in Soßen, Kuchen und Co.
    Ich mag es geschmacklich nicht und die Verhaltensänderung auch nicht.
    Zu dem ist meine Mutter Alkoholikerin.
    Mein Bekanntenkreis nimmt die s mittlerweile als selbstverständlich, aber in neuen Kreisen muss ich mich auch ständig dafür rechtfertigen. „Was? 😮 Noch nicht mal ein Glas Sekt zu Silvester?“
    Mittlerweile habe ich eine große Tochter. Und selbst da musste ich mich beim Schützenfest erklären, warum meine damals 15 jährige Tochter kein Alster trinken darf.
    Ich habe dann auf das Gesetz verwiesen, aber die anderen Eltern meinten, dass das ja nicht zählt, wenn die Eltern dabei sind. Dann dürften die Kinder auch ruhig schon mal bei der Konfirmation mit 14 ein Glas Bier oder Sekt trinken darf.
    Ja, Alkohol ist sehr gesellschaftsfähig.
    Ich wünsche dir eine interessante Erfahrung.
    Herzliche Grüße
    Alexandra

    Antworten

  18. Ulrike

    17. Januar 2019 um 20:25

    Ich bin mittlerweile Ende 40 und habe noch nie Alkohol getrunken – und ich kann in all den Jahren an KEINE Situation erinnern, in der ich NICHT nach dem Warum gefragt wurde… Umgekehrt: Wie oft wurdest Du in Deinem Leben gefragt, warum Du Alkohol trinkst? ;-) In unserer Gesellschaft muss man sich dafür rechtfertigen, dass man diese Droge ablehnt. Ich habe nie den (politisch gewollten) Unterschied verstanden, der zwischen Alkohol und den „bösen“ Drogen gemacht wird… Umso mehr schätze ich Beiträge wie Deinen, im dem Menschen ihren eigenen Konsum hinterfragen. Thumbs up!

    Antworten

  19. Steffi

    17. Januar 2019 um 20:49

    Moin liebe Ricarda,
    Dir auch einen guten Start ins neue Jahr. Vielen Dank für Deine Gedanken. Der Selbsttest wird sicherlich spannend werden. Seit meinen Teeniezeiten hat die Thematik Alkohol bei mir immer weiter abgenommen. Und gerade in den letzten fünf Jahren die Wichtigkeit auch komplett verloren. Mein Mann und ich gehörten zwar nie zu den Menschen, die regelmäßig Alkohol konsumierten, aber seit ein paar Jahren trinken wir diesbezüglich nichts mehr. Und das aus mehreren Gründen. Bei mir hatte es angefangen, dass ich im Sommer alkfreies Bier versucht habe und daran „hängengeblieben“ bin und mich immer öfter fragte, wozu sollte ich denn z.B. Bier „mit“ trinken wenn es auch ohne geht. Hinzu kommt zusätzlich, dass ich bei auch so kleinstem Alkoholkonsum mit Migräne darauf reagierte. Irgendwann war es einfach überhaupt kein Thema mehr. Wir versuchen unser Leben ,Schritt für Schritt, immer bewusster zu gestalten und unseren Alltag so schön, dankbar und entspannt zu machen, dass wir keine noch so kleine „Flucht“ davon brauchen. Denn ich höre leider oft, dass viele Menschen gerne zur Entspannung oder Belohnung etc trinken, dass sie eine Auszeit brauchen oder sonstiges.
    Und das Hinterfragen, warum man jetzt evtl. gerne was trinken möchte, ist ein wichtiger Bestandteil vom bewussten Leben. Meinem Mann wie auch mir ist es nicht so wichtig, was andere davon halten. Uns ist wichtig, dass wir uns selbst nichts vormachen oder uns belügen. Wenn man langsam lernt auf seine innere Stimme zu hören, merkt man immer mehr, was einem wirklich guttut. Und meistens steht Alkohol da nicht wirklich an erster Stelle sondern ja nur das Gefühl, was wir damit verbinden (Gesellschat, Entspannung, Belohnung etc). Und das kann man dann locker und selbstverständlich mit alkfreien Getränken erreichen, wenn es einem bewusst geworden ist. Und manchmal macht es auch total Spass alkfreie Varianten eines GinTonics (war Lieblingsgetränk des Mannes) oder Cocktails zu probieren…

    Zwecks Umgebung muss ich sagen: ich bedaure Alle, die mit solch merkwürdigen Reaktionen konfrontiert wurden oder werden. Wir haben das innerhalb der Familie (die ganz gerne mal was süppeln) und unserem Freundeskreis nicht aufdringlich aber klar kommuniziert und es war nie ein Problem geschweige denn, dass man sehr sinnfreie Kommentare bekam. Mittlerweile steht überall sogar mindestens eine alkoholfreie Variante für uns parat, aber letztlich ist man ja mit Wasser oder Tee etc auch sehr zufrieden. Denn es zählt ja vorrangig die Gesellschaft und nicht das Beflimmern in Gesellschaft😉
    Schluss der vielen Worte – Ich wünsche Dir bei Deinem Selbsttest viele gute und erfüllende Gedanken und Ideen!
    Liebe Grüße
    Steffi

    Antworten

  20. Christine

    19. Januar 2019 um 8:54

    Hallo Ricarda, das ist wirklich ein interessantes Thema. Vorallem wenn man drüber nachdenkt wie komisch andere reagieren, wenn man keinen Alkohol trinkt.
    Mein Mann und ich haben in den vergangenen Jahren auch immer mal einen Monat ohne Alkohol gemacht. Sind aber immer wieder nach ablauf des Monats davon abgekommen. Was jetzt nicht heißen soll, dass wir uns regelmäßig betrinken. Aber in Gesellschaft ein Bier oder Wein war schon normal.
    Ich trinke jetzt seit sieben Monaten keinen Alkohol, auch nicht in Saucen oder Kuchen, weil ich schwanger bin. Und habe damit überhaupt kein Problem, es ist für mich selbstverständlich. Aber das ich keinen Alkohol mehr trinke hat meine Cousine direkt auf den Gedanken gebracht das ich schwanger sein muss. Was ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht sagen wollte.
    Was ich sehr seltsam fand war, als ich einen Kuchen auf Grund des enthalten Alkohols abgelehnt habe, sagte eine Kollegin, selber Mutter, zu mir, also so pingelig wäre sie da in der Schwangerschaft nicht gewesen. Das fand ich irgendwie erschreckend. Es geht im Moment ja schließlich nicht nur um mich selbst. Und das Märchen, dass Alkohol in Saucen und Kuchen verkocht bzw. ausgebacken ist, ist genau das, ein Märchen. Bis der Alkohol aus einem Kuchen ausgebacken ist, ist der Kuchen lange verbrannt. Wie ich nach der Schwangerschaft und Stillzeit mit dem Thrma umgehen werde hab ich mir noch nicht überlegt.
    Ich finde dein Experiment toll und bin gespannt auf deinen Bericht wie es dir ergeht.

    Antworten

  21. Dorothee

    19. Januar 2019 um 22:34

    Hallo Ricarda, ich finde das eine tolle Idee! Das ist doch mal ein gutes Experiment im neuen Jahr. Ich trinke selbst gar keinen Alkohol mehr, einfach weil ich ihn wegen chronischer Krankheiten nicht vertrage. Und ich erlebe genau die Reaktionen, die du auch beschreibst. Nicht, dass ich früher viel getrunken hätte, ich hab schon immer nur 1 Glas Wein o.ä. getrunken und dann war Schluss. Aber wenn ich nicht mal einen Sekt zum Anstoßen nehme oder den Pflaumenwein beim Chinesen ablehne, ziehen die Leute die Augenbrauen hoch und (v.a. in den Monaten nach meiner Hochzeit) glotzen mir total unverschämt direkt auf den Bauch, ob man schon was sieht. Dann ziehe ich den unwillkürlich ein. Ist zwar bescheuert, eine Schwangerschaft wäre schließlich nichts wofür man sich schämen muss, im Gegenteil (ich habe 2 Kinder). Aber diese unmittelbare Schlussfolgerung „kein Alkohol = Schwangerschaft“ finde ich ehrlich gesagt ziemlich ätzend. Unsere Gesellschaft hat sich so entwickelt, dass man sich rechtfertigen muss, wenn man KEINEN Alkohol trinkt – müsste es nicht andersrum sein? Und meine Überlegungen gehen noch weiter: Warum heißt es „ich trinke nichts“? Ich trinke doch was, nur halt keinen Alkohol. Aber unter „etwas trinken“ versteht man halt Alkohol. So ein Quatsch. Zu Vegetariern oder Veganern sagt man ja auch nicht „du isst nichts“.
    Ohne Alkohol habe ich deutlich weniger Kopfschmerzen nach kurzen Nächten, fühle mich morgens besser, und meine Haut sieht besser aus. Ich bin gespannt, was du nach deinem Experiment berichtest! Viel Spaß!

    Antworten

  22. Nicole

    7. Februar 2019 um 15:32

    Liebe Ricarda,

    ich musste heute an dich denken und diesen Artikle nochmal lesen, denn ich frage mich, wie es dir in der Zwischenzeit ergangen ist und welche Erfahrungen du gemacht hast / machst.
    Mir geht es gerade ähnlich wie dir, allerdings in Bezg auf Kaffee. Den lasse ich siet 2 Wochen schweren Herzens weg, denn er tut mir einfach nicht gut. In vielerlei Hinsicht. Und ich muss mich gerade wundern, wie viele Menschen glauben, dass kommentieren zu müssen.
    Seltsam, wie manche Menschen glauben, sich über Verhaltensweisen anderer aufregen zu müssen, von denen sie eigentlich völlig unberührt bleiben…

    Liebe Grüße,
    Nicole

    Antworten

  23. Schroederbonn

    2. März 2019 um 10:44

    Ich bin aus dem Thema schon lange raus, und das aus eigentlich ganz lustigem Grund. Nein, ich bin keine trockene Alkoholikerin ;-). Wir sind früher, und das ist jetzt auch schon 30 Jahre her, mit der Clique immer in Diskotheken gefahren, oder aber zu anderen Lokalitäten. Da ich als Erste den Führerschein hatte, habe ich uns natürlich alle dann auch mal aus dem Dorf raus gekarrt, und dann war natürlich klar, ich fahre nüchtern, ohne einen Tropfen Alkohol nach Hause. Irgendwie hatte sich das dann eingebürgert, das ich immer gefahren bin, auch als die Jungs dann nachher ihren Führerschein hatten.
    Später war es dann so, wenn wir im Dorf raus waren, dass ich einfach nichts mehr vertragen hatte, und so nach einem oder zwei Bier schon die Lampe an hatte. Das war mir dann auch zu blöd, und da ich auch jeden Scheiß mitmache ohne Alkohol getrunken zu haben, hab ich von nun an nichts mehr getrunken.
    Heutzutage gibt es dann für mich auch nur alkoholfreie Cocktails, die schmecken super lecker, und ich fahre mich dann selber nach Hause, und bin so auf keinen anderen angewiesen oder muss ein Taxi nehmen.
    Sicherlich bin ich jetzt nicht absolut gegen Alkohol, jeder wie er mag, jedoch habe ich ein Problem mit Menschen die sich dann zugeschüttet haben, und einfach nicht mehr lustig sind, sondern aggressiv werden würden.

    Antworten

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