Mein Leben, Privates

Komm raus aus Deiner Blase

Wer kennt es nicht – sobald man sich mit einem Thema beschäftigt, sieht man nur noch Dinge, die zu dem Thema passen.
Sei es ganz banale Sachen wie, man kauft sich ein blaues Auto und sieht nur noch blaue Autos, man sieht nur noch Leute die nähen, DIYs machen, schwanger werden, Unternehmer sind, Yoga machen, Vegetarier sind, nach XY reisen usw… Die Liste lässt sich endlos fortführen, sein Insta- und Facebookaccount passt sich dem auch nach und nach an und irgendwann ist man dort – in seiner Blase.
Fühlt sich wahrscheinlich sehr komfortabel an, manchmal stresst es vielleicht, weil man anfängt sich mit anderen zu vergleichen. Und dann lebt man dort, mehr oder weniger glücklich, mit kleinen Scheuklappen, die den Blick nach rechts und links versperren.

Wenn es dann passiert, dass man aus dieser Blase ausbricht, ob bewusst, aus Versehen oder gezwungener Maßen, dann schaut man auf einmal von Außen auf das Geschehen und schüttelt mit Glück ein wenig den Kopf, wie dumm man doch ist.
Wie engstirnig, wie festgefahren, wie arrogant, wie „satt“, wie selbstzufrieden, wie anstrengend, wie gehetzt, wie vermeintlich wichtig (und in Wirklichkeit doch so unwichtig) oder wie gequält von Luxusproblemen.

Ich bin froh, dass ich mittlerweile regelmäßig aus meiner Bubble ausbrechen darf und möchte, indem ich in fremde Länder fahre und mein Leben und die Welt Zuhause ein wenig aus einer anderen Perspektive sehen kann. Distanz hat noch nie geschadet, um Sachen neutraler zu sehen.
Wieder einmal mehr bin ich dankbar, dass ich in der genetischen Lotterie einen 6er mit Zusatzzahl hatte, weil ich als Frau in einem Land wie Deutschland geboren und aufgewachsen bin, dass ich gesund bin und ich mein Leben selbstbestimmt führen darf.

Keiner schreibt uns hier vor, wie wir zu leben haben, egal wie festgefahren Du vielleicht gerade bist. Egal ob es um den Job oder die Familie geht, um Freunde, die Ausbildung oder das Studium – wir neigen dazu aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Völlig verständlich, sind seine eigenen Probleme immer auch die größten. Das liegt in der Natur des Menschen.

Wenn ich dann aber durch das Atlasgebirge fahre,* noch ein bisschen am mosern, dass es im Bus ein bisschen zu kalt ist, weil wir alle die falsche Kleidung eingepackt haben, nach rechts aus dem Fenster blicke und auf einmal Frauen sehe, die im dreckigen Flusswasser, das eiskalt sein muss, ihre Wäsche waschen, schäme ich mich zutiefst für meine Sorgen und Probleme und denke einmal mehr, wie gut es mir geht.
Jetzt, wo ich wieder Zuhause bin, weiß ich viele Dinge wieder mehr zu schätzen. Die warme Wohnung, die gut isoliert ist; das warme Wasser, was in rauen Mengen aus der Dusche kommt; meine Winterkleidung, Auto, Waschmaschine, Geschirrspüler und co.

Ich weiß, dass diese Dankbarkeit für die vermeintlich kleinen Dinge nicht von Dauer sein wird, irgendwann werde auch ich wieder in meinem Trott sein – nur ich hoffe vom ganzen Herzen, dass nach jeder Reise, die mich mehr erdet, mich mehr die Welt verstehen lässt, meine Blase durchlässiger wird und der Tellerrand immer größer werden lässt.

Jedem von uns wünsche ich solche Momente im Leben, und seien sie noch so klein – denn wenn ich mir anschaue, worüber wir uns hier beschweren und aufregen, wenn ich mir die Medien anschaue und Kommentare zu vielen Themen auf Facebook und co… Dann denke ich, warum wir es uns selber so schwer machen und nicht einfach mehr das Glück genießen fast alles zu haben was wichtig ist und weniger den Blick auf das lenken, was wir noch nicht haben.

Liebste Grüße,
Ricarda

*In Marokko sind gerade die heftigsten Schneefälle seit Jahrzehnten, der Winter ist deutlich härter und kälter, vielerorts hat es geschneit, im Atlasgebirge sieht es aktuell aus wie in den Alpen, was den Effekt hat, dass ausgetrocknete Flussbetten durch die Schneeschmelze auf einmal wieder Wasser führen. Somit ist der strenge Winter zugleich Segen und und Fluch in einem, denn das zusätzliche Wasser kann in Marokko natürlich gut gebraucht werden.

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  1. Petra

    19. Februar 2018 um 21:07

    Liebe Ricarda,
    Danke für diesen nachdenklich stimmenden Post, gebe dir Recht. Uns geht es gut.
    Vielen lieben Dank,
    Petra

    Antworten

    • Ricarda

      19. Februar 2018 um 21:34

      Danke Dir für Deinen Kommentar Petra!

      Antworten

  2. Ani Lorak

    19. Februar 2018 um 21:41

    Mit der Blase hast Du schon recht. Zuviel davon ist nicht gut. Demut ist wichtig. Ich bin auch dankbar, daß ich im Hier und Jetzt lebe.

    Antworten

  3. Melanie

    20. Februar 2018 um 10:26

    Genau so ist es! Sehr schöner Text! Und richtig toll, dass Du noch „richtig“ bloggst, uns als Leser mitnimmst. Und nicht nur alle paar Wochen oder Monate Deine Produkte anbietest. Danke!

    Antworten

  4. Marlies

    20. Februar 2018 um 10:32

    Mein Reden, Ricarda, sich umsehen, merken, wie gut es uns geht und ein bißchen Demut und Dankbarkeit zeigen. Reisen erdet, ich kenne das, bin zusammen mit Mann und Hund Wohnmobilistin und geniesse das über-den-Tellerrand-drüber-schauen!
    Die Crux ist es, diese Demut und Dankbarkeit in´s Alltagsleben zu integrieren und da hilft der Trick: Sinne schärfen für Kleinigkeiten! Mit dem Hund über´s Feld, die immer seltener werdende Feldlerche wie um ihr Leben tirilieren zu hören oder sich einfach über eine saubere, schnurgerade Naht zu freuen, oder, wenn einem was gelingt einfach „Danke“ zu sagen.
    Schön, dass du sie mal an´s öffentliche Licht geholt hast, diese Gedanken!
    Wünsche dir gutes Gelingen bei Allem und sag:“Danke!“!

    Antworten

  5. Grit

    5. März 2018 um 20:22

    So schön geschrieben! Es ist wichtig immer wieder für kleine Dinge dankbar zu sein und diese zu schätzen. Danke für den Artikel!

    Antworten

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