Ein Jahr lang keine Kleidung kaufen – mein Fazit

#2015ohneshoppen ist vorbei.
Ich weiß heute gar nicht mehr so genau, was der eigentliche Auslöser vor einem Jahr war. Möglicherweise mein Berlinbesuch im Januar 2015. Da war ich bei Forever21 und ich habe gemerkt, dass ich so gar keine 21 mehr bin. Und dass die Klamotten da alle komisch riechen und die Kids (die genauso weit weg von 21 waren wie ich, nur in die andere Richtung ;)) waren in einen regelrechten Konsumrausch, den selbst ich erschreckend fand. Wohlgemerkt war ich früher nicht viel besser. Mit 17 bin ich mit dem Schwesterherz und dem Schwager mal eine Woche nach Orlando geflogen – hauptsächlich zum Outletshopping. Mit nem leeren Koffer hin, mit einem vollen zurück. Ein bisschen kriege ich beim Schreiben rote Wangen, denn sind wir mal ehrlich – wie bekloppt war das denn bitte?

Wen die Anfänge meines Jahres ohne Kleidungskaufs interessieren, hier geht es zum ersten Post, alle Posts zu dem Thema findet ihr hier in der Suche.
Aber kommen wir zum Fazit des vergangen Jahres ohne Shoppen im Bekleidungsbereich.

#2015ohneshoppen

Folgende Fragen wurden mir während des Jahres immer wieder gestellt.

Hast Du Geld gespart?
Nicht wirklich. Ich habe 2015 dafür in Yogaretreats und jede Menge normaler Yogastunden investiert, ebenso in vermehrte Sauna- und Wellnessbesuche. Außerdem sind Jan und ich letztes Jahr zusammengezogen und Sachen für die Wohnung mussten her. Also nein, gespart habe ich insgesamt definitiv nicht :)

Ist es Dir schwer gefallen?
Gar nicht! Komischerweise. Ich fand es sogar sehr entspannt! Ein bisschen ist es wie bei einem Tag in Stille (man redet den ganzen Tag nicht, ist aber trotzdem mit anderen Menschen zusammen). Zunächst ist es ungewohnt, manchmal ein bisschen unangenehm, aber nach kurzer Zeit ist es super befreiend.

Hast Du das durchgezogen?
Ja. Bis auf die paar Ausnahmen, die ich vorher festgelegt habe. Ich habe mir zum Beispiel Yogasocken und Sport BHs. Ebenso standen 2 Hochzeiten an, von denen ich im Januar noch nichts wusste. Für die eine Hochzeit habe ich mir kein neues Kleid gekauft. Ein Gedanke, der früher unmöglich war (ein Kleid bei 2 Hochzeiten anziehen? Tsss). Bei der anderen Hochzeit, wo ich Trauzeugin war, wurde ein Kleid gekauft, schon weil wir Trauzeugen farblich abgestimmt sein wollten und es kein Stoff in der Farbe gab. Und ja ich bin ehrlich, das Kleid was ich anhatte – das hätte ich niemals selber nähen können. Ein wenig ärgere ich mich heute, dass ich da nicht auf die Nachhaltigkeit geachtet habe. Aber 1 Kleid im Gegensatz zu sonst ganzen Tüten voll Kleidung… Ein Erfolg!

Was machst Du 2016?
Genau vor einem Jahr hätte ich gedacht, dass ich in einen totalen Shoppingrausch verfalle. Davon bin ich weit weg. Ich habe mir zwar auf einer einschlägigen Internetseite bestimmt erst einmal 20 Kleidungsstücke bestellt, aber alle wieder zurück geschickt. Nach einem Jahr merkt man erst einmal, wie schlecht die Stoffe, die Schnitte, die Farben von vielen Sachen sind. Auch war ich letztens in einer netten kleinen Boutique, habe ein Kleid anprobiert und war da schon genervt vom An- und Ausziehen. Also nein. Ich verfalle jetzt nicht in den nächsten Konsumrausch. Irgendwann wird mir bestimmt ein wunderschönes Teil über den Weg laufen, dann werde ich genau überlegen, ob ich das brauche und warum ich es gerade haben möchte.

Und die vielleicht wichtigste Frage: Gehst Du jetzt nie wieder beim Textilschweden und co einkaufen?
Tja, diese Frage ist wohl das größte Problem. Ich weiß, dass viele meiner Leser(innen) deutlich bewusster über Kleidung denkt als der Durchschnittsdeutsche. Aber auch hier haben mich Fragen erreicht, wie ich das denn mache? Gerade für ihre Kinder gehen sie auch mal fix zu H&M und kaufen eine Leggings.
Die Bedingungen in den Ländern wo Billigkleidung hergestellt wird sind grausam. Leider werden dort auch oft die teuere Markenkleidung hergestellt. Bei manchen Sachen wüsste ich auch noch nicht einmal, ob es die „in nachhaltig“ auch gibt (Nylonstrumpfhosen!). Meine Meinung dazu ist – Mitdenken und sich ein bisschen entspannen.  Nur wir Konsumenten haben die Macht, etwas zu bewirken. Ich verstehe, warum große Konzerne nicht umdenken. Die Nachfrage ist ja da für die gefühlten 12 Kollektionen im Jahr. Meine Meinung dazu ist ähnlich wie beim Essen. Ich würde nie sagen, dass nur vegan die richtige Ernährungsform ist. Ich mag Fleisch! Aber bitte mit einem Blick wo es her kommt und in Maßen. Und da sind wir beim Stichwort: in Maßen.
Nehmen wir mal an, statt 10 Kleidungsstücke nehme ich heute nur noch 1-2 mit, oder auch mal gar nichts, wenn ich shoppen gehen würde. Und mehr Menschen würden so denken. Dann hätten die großen Unternehmen so massive Umsatzeinbußen, dass ihnen gar nichts anderes übrig bleiben würde als umzudenken. Der Gedanke gefällt mir. Und so werde ich es auch in Zukunft handhaben.

Wo kriege ich nachhaltige Kleidung her?
Ein schwieriges Thema. Ich finde die Informationspolitik dazu sehr mühsam. Auf kaum einer normalen Internetseite steht, wo der Pullover hergestellt wurde. Und selbst dann ist ja das Problem, dass nur das Land draufstehen muss, wo die letzte Naht gemacht wurde. Sollte also eure Jeans komplett in Bangladesh hergestellt worden sein und nur der letzte Knopf wurde in der Türkei oder Deutschland angenäht. Zack darf genau das als Herkunftsland draufstehen. Das ist doch Mist.

Und worauf soll man jetzt achten? Bio? Fair Trade? GOTS? Das hängt auch davon ab, was euch persönlich wichtig ist. Ich für mich finde GOTS sehr gut. Dort wird nicht nur auf die Qualität der Rohstoffe geachtet, sondern auch wie sie weiterverarbeitet werden.

Es gibt mittlerweile Suchmaschinen, die nur nachhaltige Kleidung findet, wie zum Beispiel WeGreen. Auch Onlineshops wie Avocadostore sind tolle Quellen für schöne und nachhaltige Produkte. Ich werde mich auf jeden Fall weiter mit dem Thema beschäftigen und wenn ich schöne Shops finde, euch davon berichten.

Habt ihr mitgemacht? Durchgehalten? Oder wollt vielleicht selber jetzt 2016 das Projekt starten? Kennt vielleicht tolle Blogs zu dem Thema? Schreibt mir gerne einen Kommentar dazu und verlinkt fleißig! Der Austausch ist für mich ein ganz wichtiger Teil beim Thema Nachhaltigkeit. Um es jedem so leicht wie möglich zu machen, sich darüber zu informieren.

Liebste Grüße,
Ricarda

Nach oben scrollen