Ja bin ich denn des Wahnsinns? Vielleicht.
Wer mir auf Instagram folgt hat es mitbekommen, ich habe mir ein Buch zugelegt mit dem Namen „Goodbye Zucker“ von Sarah Wilson. Zuckerfrei glücklich in 8 Wochen wird mir da versprochen. Naja, schauen wir mal. Aber warum tue ich das überhaupt?
Ein gesundes Maß ist wichtig.
Wenn man das isst, was einem gut tut, dann isst man auch das richtige.
Ab und zu ein Stück Schokolade ist ja völlig okay.
Das sind Reaktionen, die ich auf mein Projekt zum Teil bekommen habe. Finde ich völlig in Ordnung.
Aber kennt ihr das, ihr holt euch aus dem Kühlschrank die noch geschlossene Schokoladentafel, öffnet sie genussvoll, zelebriert es richtig, brecht euch einen Riegel, ach nein nur ein Stückchen raus, lasst es langsam und genussvoll im Mund schmelzen… Und legt die restliche Tafel zurück in den Kühlschrank?
Nein? ICH AUCH NICHT!
Maßvolles Essen, wenn es um Zucker geht, ist bei mir einfach bisher nicht wirklich möglich.
Und warum? Weil Zucker ein Arsch ist. Sorry für die Ausdrucksweise. Aber sind wir mal ehrlich. Jahrelang haben alle Diäten immer gesagt, dass Fett der Staatsfein Nr. 1 ist. Dabei ist es der normale Haushaltzucker vieeeeel schlimmer! Süchtigmacher Nr. 1 verändert er im Körper und Hirn mehr als mir lieb ist und lässt mich zu einem fremdgesteuerten kleinen Monster werden, sobald ich Eis, Schoko, Kuchen & co sehe.
Vor einigen Monaten sah ich den Film „Voll verzuckert“ – und abgesehen davon, dass die Machart vom Film stark an Schulfilme aus den 80ern erinnert (was wirklich schade ist! Der Film hätte noch besser sein können, als er sowieso schon ist!) – ist der Film wirklich klasse und informativ! Zucker ist das am weitesten verbreitete Nahrungsmittel weltweit. Dagegen steht, dass unser Körper noch darauf ausgelegt ist, dass Zucker nur sehr, sehr selten auf den Tisch kommt und meist nur in Form von Beeren & co. in wenigen Monaten im Jahr.
Zu abgehoben? Na gut. In meinen Augen wird es uns einfach unglaublich schwer gemacht auf Zucker zu verzichten. Und es geht dabei gar nicht nur um Süßigkeiten, wo man ja weiß, dass dort viel Zucker drinnen ist. In fast allen verarbeiteten Lebensmitteln ist heutzutage Zucker oder Zuckerersatz enthalten. Der „gesunde“ Fruchtjoghurt aus dem Supermarkt? Zuckerbombe. Müsli aus dem Supermarkt? Zuckerbombe. Selbst in Aufschnitt ist mittlerweile manchmal Zucker drinnen! In den „guten“ Light Produkten wo kaum Fett drinnen ist (was die Generation vor mir ja noch als „yeay“ kennt) wird das Fett einfach gegen Zucker ausgetauscht. Aber es steht ja light, kalorienreduziert oder Diät drauf, muss ja gut sein. Die wenigsten lesen sich die Zutatenliste auf der Rückseite durch und selbst wenn, hat Zucker mittlerweile so viele Namen, dass es schwer ist ihn zu erkennen.
Hinzu kommt, dass viele Lebensmittel mit Zucker mittlerweile Kult sind und einen Lifestyle in der Werbung suggerieren, der so natürlich völlig verzerrt sind. Da machen zum Beispiel schlanke und sonst gesundheitsbewusste Blogger für ein namenhaftes Zuckergetränk Werbung, von Stars und Sportlern mal ganz abgesehen. Das ist doch hip. Und cool. Und trendy. Dass sie dieses Zeig privat (fast) niemals trinken würden wird natürlich unter den Tisch gekehrt. Aber die Kids finden es cool und das Bild der Ökohippies ist es nun mal (noch) nicht. Dass in solchen Getränken so viel Zucker wie nur möglich drinnen ist, damit man den hohen Salzgehalt nicht schmeckt, der wiederum dazu dient, dass man noch mehr Durst bekommt ist doch scheiße (sorry auch ihr für den Ausdruck, aber „doof“ würde es nun wirklich nicht treffen).
Okay, ich trinke seit 2 Jahren keine Softdrinks mehr. Das ist also nicht mein Problem. Auch fertiges Müsli oder Fruchtjogurt wird hier schon lange nicht mehr gekauft. Aber die Nachmittage im Büro sind fies, wenn das Nachmittagstief kommt. Oder wenn ich mir kein Essen fürs Büro vorbereitet habe. Wenn die Zeit fehlte. Oder wenn mein Belohungssystem nach der Arbeit mir sagt „gönn Dir doch mal was“. Argh! Fremdbestimmung hallo!
Erschreckend musste ich in letzter Zeit an ein Ereignis von vor ca 1,5 Jahren denken. Vor 2 Jahren habe ich mich einen Monat nach dem Paleoprinzip ernährt (hier nachzulesen). Damals hatte ich noch deutlich mehr Zeit als heute und es stellte für mich gar kein Problem dar mich so zu ernähren. Selbst im Mädelsurlaub danach habe ich noch weitestgehend Paleo gemacht. Ich fühlte mich gut, nahm ein paar Kilo ab, fühlte mich fit und selbst die lang erwartete erste Pizza nach 5 Wochen schmeckte mir gar nicht so gut wie ich es mir vorher ausgemalt hatte.
Zu dieser Zeit probierte ich ein Rezept für Energieriegel aus und fand die Riegel köstlich! Sie waren voller Geschmack, nussig und süß. Ca 6 Monate später, als ich leider wieder in meiner Zuckerroutine war, habe ich die Riegel erneut gemacht. Und fand sie null lecker! Fad, wenig Geschmack, überhaupt nicht süß.
Das hat mich ehrlich gesagt erschrocken. Meine Geschmacksnerven haben sich wieder komplett verändert!
Und genau daher mache ich die 8 Wochen ohne Zucker. Ich will einfach sehen, was meine Geschmacksnerven sagen, wenn sie wieder sensibilisiert werden. Und natürlich will ich auch langfristig etwas ändern. Viel Neues ausprobieren, auch wie man Kuchen und co. ohne Zucker herstellen kann.
Ich bin ja der Meinung, dass es super ist, wenn man aus so einer Zeit schon ein paar Sachen mitnimmt. Aus der Paleozeit sind zum Beispiel Kokosöl, Mandelmehl, Gemüse, Süßkartoffeln, Ghee und noch eine ganze Reihe anderer Sachen fest in meinem Kochalltag geblieben.
Das Ziel ist keine Diät, sondern zu schauen wie es mir innerhalb der 8 Wochen geht. Natürlich sehe ich mich jetzt schon an der Schaufensterscheibe meines Kiosk kleben, wenn ich abends um 21 Uhr noch gerne ein Eis hätte, oder wie meine sozialen Kontakte leiden werden, wenn ich auf ein Stück Kuchen verzichte. Und auch wo ich die Zeit dafür hernehmen soll weiß ich noch nicht so ganz genau. Aber hey – ich bin ja immer für kleine Experimente zu haben. :)
Am Wochenende gab es zum Frühstück schon kleine Pancakes aus Ei, Mandelmehl und Banane. Zusammen mit Kokosraspeln, Zimt und Erdbeeren das perfekte Sommerfrühstück am Wochenende.
Wenn ihr mich auf der Reise begleiten wollt, schreibe ich gerne ab und zu über das Thema. Auch zeige ich euch gerne die Bücher, die ich mir zu dem Thema geholt habe und erzähle euch, welche Blogs aus dem Grund gerade auf meine Feedlyliste gewandert sind. Interesse?
Liebste Grüße,
Ricarda
P.S. Warum ich nicht wieder Paleo mache, wo man ja auch auf Zucker verzichtet? Ich habe gemerkt, dass Milchprodukte in Maßen keine negative Auswirkung auf meine Gesundheit haben. Außerdem ist mein Fleischkonsum seit damals noch mal stark zurückgegangen, obwohl der damals schon nicht so groß war. Und auch hier und da ein wenig Getreide macht meine Ernährung nicht deutlich schlechter oder besser wie ich gemerkt habe. „Paleo für immer“ ist einfach nichts für mich, mal schauen ob es ohne Zucker besser geht. ;)

