Fototipps am Freitag – Wie stelle ich meine Kamera manuell ein?

Ihr Lieben!

Hach ich hab mich sehr gefreut, dass so viele von euch an Fototipps und -tricks interessiert sind, als ich mal danach gefragt habe. Ich mag das Thema mittlerweile unglaublich gerne und freue mich hier im Blog ein bisschen was dazu zu erzählen.

Vorweg sag ich euch, dass ich euch hier nicht mega komplex erzählen möchte, was der ISO-Wert genau ist, wie die Spiegelreflex funktioniert usw. Dazu gibt es genug Bücher und Leute die sich „wirklich damit auskennen“. Ich mag euch einfach zeigen, wie ich mit der Fotografie angefangen habe und nach und nach immer ein bisschen dazu gelernt habe und immer noch mitten im Lernprozess bin.

Also, legen wir los. Das Thema heute ist vor allem für die Spiegelreflexbesitzer interessant, die endlich mal aus dem Automatikmodus raus kommen wollen – ha, die größte Hürde sag ich euch :)
Aber danach ist alles Spielerei, versprochen.

Also, wie stelle ich meine Kamera manuell ein?

Es ist eigentlich wirklich einfach, wenn der Knoten einmal geplatzt ist. Hat bei mir leider ca 2 Jahre gedauert weil ich irgendwann immer abgeschaltet habe. Also haltet bitte durch :)

Dieser Post wird etwas länger und ausführlicher, am Ende gibt es aber für die Ungeduldigen kleine Zusammenfassungen, die man auch gut als Spickzettel für zwischendurch nehmen kann.

Also, es gibt drei Hauptkomponenten die bei der manuellen Kameraeinstellung wirklich wichtig sind.
ISO-Wert
Blende
Verschlusszeit (Belichtungszeit)

Aber zuerst einmal stellt ihr eure Kamera von Automatik auf Manuell. Bei Canon (hier meine 650D) sieht das so aus

Der ISO-Wert
Desto höher man in einstellt (z.B. 3200) desto heller wird das Bild, aber auch umso rauschiger/krisseliger. Bei einer niedrigen Zahl (100) ist das Bild dafür sehr klar, auch wenn man es noch stark vergrößert.
Für normale 10×15 Bilder reicht in der Regel noch ein ISO-Wert von 800 oder 1600, wenn man allerdings z.B. ein Poster von einer Aufnahme machen möchte, würde man hier das Rauschen nach dem Druck schon sehen.
Meine Faustregel lautet also: So niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig einstellen.

Im folgenden Bild seht ihr links beim Zoomen, dass das Bildrauschen bei ISO 6400 viel höher ist als auf dem rechten Bild bei einem ISO von 800, die Wand im Hintergrund ist viel krisseliger.

Zusammenfassung

Zwei Beispiele wie ich oft in welcher Situation den ISO-Wert wähle
– Bild im Sommer, tagsüber draußen: ISO Wert 100
– Innenaufnahme im Winter Nachmittags wenn es bewölkt ist, zwischen 800 und 1600

Die Blende
Das war immer mein Problem, ich habe das nie verstanden wann die Blende auf oder zu ist. Die Blende sorgt dafür, dass überhaupt Licht in die Kamera kommt.
Desto kleiner eure Blendenzahl (z.B. 4,5), desto offener ist eure Blende und desto mehr Licht fällt rein.
Desto größer eure Blendenzahl (z.B. 18), desto geschlossener ist eure Blende und desto weniger Licht fällt rein.
Und was macht das nun?
Bei einer kleinen Blendenzahl ist nur der Teil scharf, den ihr fokussiert, der Hinter- (oder Vordergrund, je nachdem was ihr fokussiert) wird unscharf, quasi ein typischer Effekt den man als Blogger gerne haben möchte, zum Beispiel wenn man eine Schüssel auf einem Tisch fotografieren möchte, diese im Fokus stehen sollen und die Blumen dahinter nur schemenhaft zu erkennen sein sollen, um mehr Stimmung zu erzeugen.
Ist die Blendenzahl dagegen hoch, wird ein immer größerer Ausschnitt von eurem Bild scharf, was zum Beispiel bei Landschaftsaufnahmen oft erwünscht ist.

Zusammenfassung

Die Verschlusszeit (Belichtungszeit)
Sie bestimmt, wie lange Licht in eure Kamera kommt.
Ihr belichtet sehr kurz (1/500 zum Beispiel) wenn ihr Bewegungen „einfrieren“ wollt, zum Beispiel wenn Kinder spielen.
Länger belichtet man dagegen, wenn sich Dinge nicht oder wenig bewegen oder man mit Absicht möchtet, dass Dinge verschwommen sind.
Bis 1/20 kann man mit dem richtigen Objektiv und einer ruhigen Hand noch ohne Stativ fotografieren.

Zusammenfassung

Und wie hängt das ganze nun zusammen?

Ganz einfach eigentlich – wenn euch ein Bild zu dunkel ist, habt ihr drei Möglichkeiten
– den ISO-Wert zu erhöhen. In meinen Augen sinnvoll wenn dieser noch sehr niedrig ist.
– die Blendenzahl verringern (zum Beispiel von 12 auf 8), sodass mehr Licht reinfällt. Beachtet aber, dass sich dadurch möglicherweise schon der Ausschnitt, denn ihr scharf bzw unscharf haben möchtet verändert.
– die Belichtungszeit erhöhen. Gut, wenn diese noch nicht über 1/20 ist (wegen Freihand fotografieren), und ihr zum Beispiel gerade Stillleben fotografiert (meine genähten Täschchen ist es egal ob ich 1/500 oder 1/20 belichte, da sie sich nicht bewegen ;))

Wenn euer Bild dagegen zu hell ist, könnt ihr natürlich den ISO-Wert reduzieren, die Blende mehr schließen (die Zahl erhöhen) oder die Belichtungszeit verringern.

Woher weiß ich nun, wie ich die drei Komponenten miteinander kombiniere, sodass mein Bild so wird wie ich möchte?
Durch zwei Sachen – 1. eure Kamera ist schlau ;) und 2. durch Ausprobieren und Übung

Eure Kamera ist schlau, denn sie sagt euch bereits vorher, ob das Bild über- oder unterbelichtet sein wird.
Wenn ihr den Auslöser nur halb runter drückt, dann erscheint in eurem Kameradisplay  (siehe Bild, hier am Beispiel einer Canon, sieht bei einer Nikon aber ähnlich aus) ein kleiner Strich. Wenn dieser links von der Null ist, wird das Bild zu dunkel, wenn er rechts von der Null ist zu hell. Der Strich sollte also unter der Null sein. Da ich meine Bilder oft etwas heller mag, ist mein Strich meist ein bisschen rechts von der Null.
Weicht der Strich sehr weit von der Null ab, ändert ihr eine der drei Komponenten.

Und nun heißt es einmal eure Kamera auszuprobieren und mit den drei Werten zu spielen. Dafür stellt euch am besten ein paar Sachen auf einen Tisch, der in Fensternähe steht (wegen dem Lichteinfall), in unterschiedlichen Abständen versetzt zueinander. Nun verstellt immer nur eine der Komponenten und macht immer und immer wieder aus der gleichen Perspektive ein Foto.
Nehmt euch zum Beispiel erst einmal den Insowert vor, stellt ihn auf 100, macht ein Foto, stellt ihn auf 400, macht ein Foto usw… So kriegt ihr ein Gefühl dafür wie sich das Bild verändert, denn DIE Einstellung gibt es leider nicht – jede Situation erfordert eine unterschiedliche Einstellung, aber man kriegt mit der Zeit ein Gefühl dafür.

Klingt zwar erst einmal etwas langweilig, dabei lernt man es aber am schnellsten finde ich.

Fotografiert ihr zum Beispiel ein Poster an einer Wand, könntet ihr je nach Licht folgende Einstellungen vornehmen, und das Ergebnis sieht fast gleich aus.

Allerdings wisst ihr nun, das von der Blende abhängt wie scharf oder unscharf der Hintergrund/Vordergrund ist. Das ist bei einem Poster relativ egal, da es flach an der Wand hängt und ihr keinen Raum nach vorne oder hinten habt.

Bei Gegenständen im Raum habt ihr bei einer Blende 2 allerdings manche Dinge scharf, manche unscharf, je nachdem wo euer Fokus beim Auslösen lag. Beim folgenden Bild waren alle Einstellungen gleich, nur links sind die Blumen im Hintergrund scharf, rechts der Becher im Vordergrund, weil ich unterschiedlich fokussiert habe.

Mehr zum Fokussieren zeig ich euch aber noch nächste Woche :)

Jetzt noch 3 Bilder um zu zeigen, dass das Ergebnis trotz unterschiedlicher Einstellung sehr ähnlich sein kann

Vielleicht habt ihr am Wochenende mal eine halbe Stunde Zeit um euch hinzusetzen und den manuellen Einstellungen eine Chance zu geben. Und natürlich benutze ich auch den Automatikmodus für Fotos, gerade wenn es schnell gehen muss, auf einer Städtereise zum Beispiel, wenn gerade eine Situation das Motiv besonders macht, da drehe ich auch nicht erst an den Rädchen ;)

Wenn ihr Fragen habt – immer her damit! Ich würde aus den Fototipps gerne eine feste Rubrik hier im Blog machen. Welche Themen würdet ihr hier gerne lesen? Was fällt euch schwer? Was für Bilder seht ihr auf anderen Blogs und wüsstet gern wie das geht?
Ich freu mich, wenn ihr mir einen Kommentar dazu hinterlasst :)

Liebste Grüße und habt ganz viel Spaß beim Kamerakennenlernen!
Ricarda

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