Was denkst Du über Deinen Körper?
Zu klein, groß, dick, dünn, zu wenig oder zu viel Brust, flacher Hintern oder doch etwas mehr? Haare zu dünn, zu wenig blond, zu kraus, zu what ever?
Ich selber kenne dieses Gefühl gut, wahrscheinlich seitdem ich 12 Jahre alt bin. Damals habe ich mir von meinem Taschengeld zum ersten Mal die Vogue gekauft und habe all die, damals für mich wunderschönen, Models angehimmelt. Irgendwann kamen weitere Zeitschriften dazu – Glamour, Joy, InStyle, Shape, Cosmopolitan und wie sie alle heißen. Immer die neuste Mode, Schminktipps und diese Models mit ihren 1,60 Beinen (was fast meiner gesamten Körpergröße entspricht, damals wie heute…).
Heute lese ich Modezeitschriften fast gar nicht mehr, sie werden hin und wieder durchgeblättert, wenn ich im Flieger, beim Arzt oder Friseur bin. Wenn ich heute bei den Modestrecken hängen bleibe, denke ich meist eher, dass die Frauen nicht echt aussehen, aber heute weiß ich auch, was Photoshop und co können. Gute Posen, unnatürliche Haltungen, hier Retusche, dort schlank ziehen, dort etwas mehr. Und trotzdem, selbst als 30 jährige Frau, die weiß wie es funktioniert, denke ich manchmal – mittlerweile auch viel auf Instagram und co. – wie können Frauen so aussehen und so ein Bild von sich zeichnen (lassen)?
Überall suggerieren uns „normale Menschen“ wie toll man aussehen kann. Dass manche Fotos so hart von Weichzeichnerfiltern verunstaltet wurden, dass es aussieht, als wäre ein fetter Vaselinefilm aufs Foto getropft, ist nur das extreme Ende der „wir sehen so gut aus“- Gesellschaft.
In letzter Zeit hört man super viel über den Dokumentarfilm Embrace, schon alleine der Trailer rührt mich je nach Stimmung zu Tränenausbrüchen. Wem wollen wir Frauen eigentlich gefallen? Uns? Der Gesellschaft? Dem Partner? Den Freundinnen? Neeeeein, uns selber. Ja, der Idealzustand ist natürlich so, aber die Realität ist meist Meilen davon entfernt.
Warum ich heute diesen Text schreibe? Gestern sprang mir auf Facebook folgender Spiegel Artikel ins Auge und folgende Passage ist bei mir nachhaltig hängen geblieben. „Die britische Autorin Laurie Penny hat mal geschrieben: „Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten und sich in ihren Körpern wirklich wohl- und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.“ Es gehört zum Frausein im Kapitalismus, Unmengen von konsumierbarem Zeug angeboten zu kriegen, das den Körper optimieren soll – obwohl er in den allermeisten Fällen schon okay ist. Ein Teil dieses Zeugs sind Magazine, die Frauen erklären, welche Mängel sie haben und wie sie sie in drei Schritten loswerden, wobei sie idealerweise gleichzeitig Cupcakes backen und ihrem Partner einen blasen.“
Verdammt ja! Genau so ist es! Da wunder man sich, dass Mädels in Zeiten von GNTM schon mit 9 Jahren Essstörungen bekommen oder Frauen mit einer Kleidergröße 38 sagen, dass sie 2-3 Kilo zu viel hätten. Ich bilde da mit Sicherheit keine Ausnahme. Ich selber weiß, wie man als Teenie auf sein Gewicht und seinen Körper fixiert sein kann, Essen und Erbrechen, gar nicht essen, 2-3 Stunden Sport an Tag, jeder Gedanke wird vom Essen oder was man nicht gegessen hat bestimmt. Ob ein Tag gut oder schlecht wird, hängt mit dem Blick auf die Waage zusammen und mit gesund hat das alles nichts mehr zu tun. Aber auf einmal bekommt man jede Menge Komplimente und selbst die sorgenvollen Kommentare von Freundinnen sieht man als „geil, ich hab es geschafft“- Aussagen. Und trotzdem sah ich immer noch nicht so aus wie die Mädels aus den Hochglanzmagazinen (wie auch? Wir erinnern uns, dass deren Beine in etwa meine gesamte Körpergröße waren) und hätte gerne so ausgesehen.
Es ist mir egal, dass es schon massig Texte im Internet gibt, die sich damit beschäftigen, dass man sich so akzeptieren soll wie man ist. Es kann einfach nicht oft genug gesagt werden! Auch ich selber kann mir das nicht oft genug sagen, auch heute, mit einem gesunden Verhältnis zum Essen und 15 Kilo mehr als damals.
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr sofort, nachdem ein Foto gemacht wurde, das Bild anschaut und denkt „boah das geht gar nicht, Doppelkinn, Rücken nicht durchgedrückt, 2 Kilo zu viel“ usw? Und dann schaut ihr euch die Bilder später noch einmal an und fragt euch „Was für ein Problem hatte ich da eigentlich mit mir selbst?“. Passiert mir immer wieder bei Bildern, so auch bei den folgenden Bildern aus dem letzten Spätsommer.
Ich weiß noch, es war einer dieser perfekten Tage, tagsüber herrlich heiß, abends kühlte es schon merklich schneller ab, der Ende des Sommers kündigte sich bereits an. Nadine und ich haben noch eine schnelle Fotosession am Strand gemacht, das Licht war super, die Stimmung toll… Und trotzdem dachte ich hinterher, dass dieses oder jenes hier oder dort noch etwas besser, straffer, weniger „orangig“ sein könnte und das von Natur aus runde Gesicht… Bullshit – wirklich. Heute mag ich die Bilder, genau so wie sie sind. Auch wenn sie kein 1,80 Model mit Kleidergröße 34 zeigen, sondern eine erwachsene, gesunde Frau. Ich wünsche mir so sehr, dass nicht nur ich mich öfter nicht so kritisch sehe, sondern jede einzelne von uns.
Schnittmuster: Oberteil Madeira, Top Teneriffa
Stoff: Snow Slub in weiß von alles-fuer-selbermacher (trotz 100% Polyester – der Stoff trägt sich so meeeega gut)
Meine Schwester schrieb mir vorhin, dass sie mich liebt und mich immer schön findet… also zu 98% immer (unser Schwesternhumor) – wie schön wäre es, wenn wir uns selber öfter so sehen würden, durch die Augen eines liebenden Menschen.
Liebste Grüße,
Ricarda










