Lifestyleblog. Das Wort klingt schon gruselig. Ein bisschen oberflächlich und nach zu viel Hochglanz.
Vor einigen Jahren habe ich bei einem Workshop gelernt „Finde Deine Nische!“ – das war ganz wichtig. Positioniere Dich, damit die Leser wiederkommen und wissen, was sie erwarten können. Ein Thema, vielleicht zwei. Das muss reichen.
Am Anfang war mein Blog ganz klar ein Nähblog. Punkt. Nach ca. 2 Jahren des Bloggens fand ich den Namen Pech&Schwefel ganz schwierig. Er hatte so gar nichts mit Nähen zu tun. Dabei habe ich doch gelernt, dass der Blogname etwas mit dem Inhalt zu tun haben soll! Damit der User gleich weiß, was ihn erwartet.
Heute, ca. 5 Jahre nach meinem Blogstart bin ich sehr glücklich über der Namen. Pech&Schwefel lässt kein Thema erraten. Gut so.
Seit einiger Zeit tue ich mich ein wenig schwer mit Blogartikeln, ich habe es euch letztens schon berichtet. Das liegt aber nicht nur an der Frage „Wie spektakulär muss ein Blog sein?“ sondern auch an einer anderen Frage.
Wie breit darf das Spektrum im Blog sein?
Pech&Schwefel ist schon lange nicht mehr „nur“ ein Nähblog. Meine Interessen sind ganz andere als vor 5 Jahren. Vor 5 Jahren war ich noch so gar nicht angekommen, der Blog hat mir ein wenig Halt gegeben und eine Richtung aufgezeigt, als ich völlig orientierungslos war. Heute ist mein Leben deutlich vielfältiger. Ich bin offen für viel mehr Dinge, möchte Sachen erleben – und davon berichten.
Nur wie passt das neben DIYs und Stoffe? Eine Frage, die ich mir unbewusst schon lange stelle. Denn obwohl ich hier schon länger über Themen wie Reisen oder Fotografie schreibe, war immer ein kleines Unwohlsein dabei.
Was denken die Leser, wenn sie nicht das Gewohnte hier finden? Jetzt auch noch Yoga, wie viele Leute interessiert das? Wenn ich jetzt auch noch hin und wieder ein Rezept poste, verliere ich Leser?
Ganz klar, wenn ich mir die Google Statistik anschaue, dann stehen bei den Seitenaufrufen ganz oben die kostenlosen Schnittmuster, die Patchworkdeckentutorials und andere Anleitungen. Die Seitenaufrufe sind für selbständige Blogger nun einmal wichtig.
Aber mal ganz ehrlich – ist mir mittlerweile egal. Nun ja, nicht ganz egal, natürlich freue ich mich über viele Likes und Herzen auf den verschiedenen Plattformen, ich glaube nahezu alle Blogger sind ein kleines bisschen Likehuren – und das ist nicht abwertend gemeint.
Auch das ist ein Thema: „Likehure“ – oh man, kann ich das so schreiben? Verdammt ja, ich würde das auch meinen Freundinnen gegenüber sagen.
Gestern hatte ich mit meinem Freund ein Gespräch, dass ich mehr Themen hier posten möchte. Und nicht überlegen will, wenn seit 2 Wochen kein Nähpost erschienen ist. Er meinte, dass ich das doch sowieso schon mache. Stimmt, aber irgendwie muss ich es für mich euch einmal klar mitteilen. Nähen bleibt – ganz viel anderes kommt noch (mehr) dazu!
Was ist das hier nun? Ein Lifestyleblog? Och nö. Ich lasse den Blog jetzt einfach mal ohne ein Label dran. Er ist einfach mein Blog.
So wenig wie wir Menschen ein Label an uns haben wollen, möchte ich das zur Zeit für meinen Blog. Mal sehen, wo wir uns in 5 Jahren Wiedersehen.
Und was ist, wenn der Blog nun 10.000 Seitenaufrufe weniger im Monat hat? Ist mir egal – denn es fühlt sich gerade sehr gut an.
Liebste Grüße,
Ricarda

