Herz vs Performance – oder auch: 9 Jahre Pech&Schwefel Bloggeburtstag

Eigentlich habe ich keine Zeit für diesen Artikel. Sage ich mir. Es ist Montagmorgen und ja, meine Woche ist ziemlich voll.
Es geht diese Woche ein neues Schnittmuster online (ein ganz wundervoller Mantel, ich liebe ihn :)), der Fotokalender 2020 soll Ende der Woche online gehen, muss noch angepasst werden, ein Text dafür geschrieben werden, Bilder gemacht werden… Heute Abend sollen Bilder für den Mantel gemacht werden, dann will ich noch ein kleines Video dazu machen, außerdem muss ein neuer Podcast für die Business Mädels aufgenommen und geschnitten werden, dann bin ich noch 1,5 Tage in Köln für nen Dreh, eine Kooperation muss überarbeitet werden und und und.

Stop.
Denn – der Blog hat Geburtstag. Okay, hatte gestern Geburtstag. Egal, das zählt noch. 9 Jahre. Unfassbar. Ich habe noch nie etwas 9 Jahre lang gemacht, wenn man von der Schule mal absieht. :)

Verrückt. Der erste Beitrag. Ohne Foto, kein sinnvoller Text, aber wir hatten uns getraut. Zu bloggen. Heute weiß wohl fast jeder, was ein Blog ist (meine Nichte überlegt sogar ob sie beim Girls Day mit einer Freundin nicht gerne zu mir kommen mag, weil die beiden sehen wollen, wie ein Bloggerin arbeitet – wie cool und verrückt ist das bitte?! :)) und es wird auch nicht mehr milde belächelt.
Heute sind Blogger – oder wie sie oft heißen – Influencer (wie ich das Wort nicht leiden kann) teilweise Berühmtheiten (ich nicht, was für ein Glück :)) und verdienen unfassbar viel Geld (ich nicht, nicht ganz so viel Glück ;)).

Blogfoto aus 2018 – das witzigste Shooting, was Nadine und ich hatten.

9 Jahre – klar, das Internet hat sich verändert und auch der Blog hat sich verändert.
Facebook steckte gefühlt noch in den Kinderschuhen, die Reichweite war gigantisch, teilweise 120% von meinen Followern (und jetzt alle hahahaha), Instagram und Pinterest kannte ich noch nicht. Man hat sich über die Kommentarfunktion im Blog vernetzt und über Linkpartys, hat sich in Foren gefunden und schnell im 1.0 Leben getroffen.

Heute werden lange Texte nicht mehr so oft gelesen und selbst für den Klick auf nen Link sind einige zu faul und fragen lieber auf Insta nach. Das ist manchmal anstrengend, aber so ist es nun einmal.
Auf der anderen Seite hätte ich ohne Insta und co niemals diese Reichweite aufbauen können und mein Hobby zum Job machen können.

Bei meiner Lieblingsbeschäftigung – dem Fotografieren

Denn ja, damals mit Mitte Zwanzig hatte ich so gar keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen will und wo ich überhaupt hingehöre.

Dank euch, dem Austausch mit euch, dank der Texte, die ich geschrieben habe, die teilweise wie eine kleine Minitherapie für mich waren, dank der Kreativität, die ich endlich entdeckt habe und ausleben konnte, bin ich heute der Mensch, der ich bin, mit diesem Job, der sich oft nicht nach nem Job anfühlt, sondern nach nem coolen Hobby. Was für ein unfassbares Glück ich habe.

Mir blutet ein bisschen das Herz, dass ich den Blog dieses und auch letztes Jahr etwas vernachlässigt habe.
Wenn aus dem Blog ein Unternehmen wird, sind manche Sachen manchmal einfach dringender, wie die Sachen, die ich im ersten Absatz beschrieben habe, denn Gehälter, die Büromiete, ach ja und auch die Miete meiner Wohnung wollen bezahlt werden.
Manche lagern den „Content“, wie Beiträge heute heißen, zwar irgendwann aus und lassen ihn von anderen schreiben, aber mein Blogbaby abgeben? Mimimi.

Blogfoto von 2012 – es gruselt mich ein wenig. :)

Und so war es etwas ruhiger. Und dennoch kommt ihr immer wieder hierher. Manchmal, weil es einen neuen Artikel gibt, oft aber auch, wegen alten Artikeln.
So haben manche Blogpost unglaubliche Aufrufzahlen, wie das Tutorial, wie man Rubbellose selber macht (über 800.000 Aufrufe) oder die Anleitungsreihe zum Thema Patchworkdecke nähen (zusammen über 2,2 Millionen Aufrufe, Wahnsinn!) – was diese Beiträge gemein haben?
Sie wurden mit viel Liebe geschrieben, fotografiert, bearbeitet und veröffentlicht – aber sie haben auch unfassbar schlechte Bilder und wahrscheinlich auch nicht die besten Texte. :)

Blogfoto aus 2013 – ich weiß noch wie stolz ich auf das Foto war.

Und vielleicht ist das gerade der Punkt. In meinem Kopf braucht es heute unfassbar schöne Bilder, intelligente und witzige Text, denn sonst braucht es auch nicht verbloggt werden. Meine Fähigkeiten sind gewachsen, aber genauso auch meine Ansprüche an mich selber und an den Blog.
Kleine schnelle Sachen? Werden mal eben in einer Instastory gezeigt, reicht nicht für einen Blogpost.
Aber in den Storys sind sie in 24 Stunden wieder weg und man kann sie nicht in ein paar Jahren noch mal anschauen. Schade eigentlich, und auch ein bisschen doof gedacht.
Aber sie gehen schnell, müssen nicht perfekt sein und sind gerade deswegen gut und unterhaltsam.
Ah moment… Vielleicht geht es weniger, wie es zur Zeit überall heißt, um Zahlen, Performance und Optimierung, sondern nach wie vor mehr ums fühlen und einfach machen.

Von daher, danke, dass ihr hier seid und mein Vorsatz zum 9. Bloggeburtstag von Pech&Schwefel, dass es hier wieder mehr zu sehen gibt. Egal ob schnelle und kleine Sachen oder tagelange Produktion und lange Texte.

Denn das Herz der Pech&Schwefel Welt ist nun einmal der Blog – und ihr natürlich!

Ohne euch würde es das alles nicht geben. Danke, dass ihr hier seid.

Liebste Grüße,
Ricarda

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