Anleitung Patchworkdecke nähen Teil 3 – Quilten

> Ein großes hallo ihr Lieben,</p>
<p>was freu ich mich, dass es heute wieder weiter geht mit dem Tutorial „Wie nähe ich eine Patchworkdecke“.</p>
<p>Die Überschrift verwirrt euch? Okay, wenn ich ehrlich bin, dann machen wir hier keine Patchworkdecke, sondern einen Quilt (aber ich finde Patchwork hört sich so viel besser an ;))</p>
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Kurz zu den Begriffen:

Patchwork ist eigentlich eine Art Flickenteppich, wo Stoffstücke aneinander genäht werden (bis hier hin ist die Decke also definitiv Patchwork)
Quilten bedeutet steppen und beschreibt das Zusammennähen von meist 3 Lagen Stoff (was wir heute tun werden)

Es könnte also auch ein Patchworkquilt sein ;) Die beiden Wörter werden aber oft gegeneinander ausgetauscht, sodass wir heute mal nicht so kleinlich sein wollen, nech? :)

Starten wir mit etwas Theorie zum Thema Patchworkdecke quilten:
Wir brauchen noch eine Rückseite und ein Vlies.
Die Rückseite nähe ich oft aus Fleece („richtige“ Quilterinnen mögen mir dies verzeihen, denn eigentlich tut man das laut den meisten Büchern nicht), einfach weil es so schön kuschelig ist und warm hält. Achtet bei Fleece auf antipillig und auf gute Qualität. Wir wollen ja nicht, dass das Top lange schön aussieht und die Unterseite schnell wie doppelt so alt.
Ansonsten nehme ich für Decken Baumwollstoffe. Diese kaufe ich selten im Internet, da dort die Fühlprobe sehr wichtig für mich ist. Der Stoff sollte schön weich sein, damit er sich auf der Haut toll anfühlt.
Auch hier bitte keine dehnbaren Stoffe benutzen.

Beim Vlies (genauer: Volumenvlies) gehen die Meinungen auch weit auseinander. Die einen sagen man soll Baumwolle nehmen, andere neigen zu 100% Polyester.
Meine Meinung: Ist mir ziemlich egal was ich nehme, solange die Dicke stimmt.
Natürlich ist es toll, dass Baumwolle ein Naturmaterial ist, aber ich habe schon aus beiden Materialien Decken gemacht und meine Schwester schläft seit Jahren unter einer Decke von mir wo Polyestervlies drinnen ist und sie sagt, die Decke reguliert super die Wärme, im Winter warm und im Sommer schwitzt man nicht.
Also jeder wie er mag oder wohin sein Gefühl geht.

Was für eine Vliesdicke? Das hängt jetzt etwas davon ab, wie groß die Decke werden soll und wie dicht ihr quiltet (hier in diesem Beispiel wird im 15 cm Abstand gequiltet weil die Quadrate so groß sind).
Allgemein gesagt: Desto größer die Abstände, desto dünner bitte das Vlies, weil es sonst beim Waschen sich verziehen kann.
Man sollte beachten, dass bei sehr dickem Vlies kleine Decken sehr bauschig wirken, große dagegen schwerer werden, bei dünnem Vlies kann der 3D-Effekt euch vielleicht zu gering sein.

Es ist also viel Geschmackssache. Hier als Beispiel was ich benutze:
Meist nehme ich 10 mm Vlies, finde aber 5 mm und 15 mm auch in Ordnung. Polyestervlies kaufe ich meist hier.
Wenn es Markenvlies (Freudenberg) sein soll, nehme ich P140 (dick), 280/281(dünn) oder 295 (mittel).
Am schönsten ist es natürlich, wenn ihr ein Geschäft in der Nähe habt, wo ihr mal die Fühlprobe macht und dann entscheidet was euch persönlich gefällt.

Puh, nun aber wieder zum spaßigen Teil :)

Als erstes legt ihr den Stoff für die Rückseite auf den Boden (war hier eine Art Fell, ging auch ganz gut, muss nur sehr weich sein) und zwar mit der rechten Seite nach unten.

IMG_0764

Tipp: Bei großen Decken oder rutschigen Boden klebe ich die Ecken vom Stoff auf den Boden (Masking Tape oder Malerkrepp) damit keine Falten rein kommen.

Jetzt wird das Vlies und das Top drauf gelegt. Das Top zeigt mit der rechten Seite nach oben

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Streicht von der Mitte des Tops aus gleichmäßig nach außen, damit alles gerade wird. Nun pinnt ihr wieder von der Mitte des Tops aus die 3 Lagen mit Stecknadeln (lange am besten) zusammen.
(Na wer findet die Nadeln im Bild? sie sind aber da ;))

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Arbeitet euch nach außen vor. Ich pinne in etwa jedes 2 Quadrat, damit nichts verrutschen kann und streiche immer wieder nach außen nach. Auf dem Bild seht ihr auch mal die Pinnrichtung.

IMG_0767-Kopie

Tipp: Gerade bei größeren Decken sticht man sich die Stecknadeln beim Nähen gerne mal in die Hände, verwendet dann anstatt Stecknadeln sehr große Sicherheitsnadeln, soooo viel schöner.

Schneidet nun überschüssigen Stoff der Rückseite und vom Vlies grob ab.

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Und endlich wird genäht.

Die Einstellungen an der Nähmaschine
Ich nähe mit dem ganz normalen Standardfuß und auch mit normalen, aber hochwertigen Garn (es gibt auch extra Quiltgarn, habe den Unterschied nicht so sehr gemerkt).
Die Fadenspannung mache ich ein kleines bisschen geringer als normalerweise und die Stichlänge mache ich auch länger (bei meiner Pfaff z.B. von 2,5 auf 3,0 oder 3,5). Übt gerne an einem Probestück mit 3 Lagen ob es euch gefällt.

Profiquilterinnen nähen übrigens nicht mit der Maschine sondern per Hand. Das finde ich großartig, die Arbeiten sehen noch viel tolle aus, allerdings habe und will ich nicht die Zeit haben mich 10-15 Stunden abends hinzusetzen und per Hand zu quilten. Bin halt eher faul, daher muss die Nähmaschine her :)

Wie nähe ich nun die 3 Lagen zusammen?
Ähnlich wie ihr schon gepinnt habt, nämlich von innen nach außen.
Hier nähe ich im Nahtschatten, sprich entlang der Nähte vom Top durch alle 3 Stofflagen. Geht natürlich auch diagonal und noch auf viele andere Arten.
Wir fangen hier in der Mitte an und nähen einmal nach unten durch (1), dann drehen wir die Decke um 180 Grad und nähen die andere Hälfte der Strecke (2), wieder von der Mitte nach unten. Drehen die Decke um 90 Grad (3), nähen wieder von der Mitte nach unten, drehen wieder um 180 Grad und nähen die restliche Strecke(4).
Der Anfang und das Ende wird immer vernäht (also ein paar mal vor- uns zurück nähen, damit die Naht nicht auf geht).
Es ist sozusagen ein Kreuz entstanden. Ich denke, dass Foto macht es deutlicher ;)

quilten1

Wer sich nun fragt warum wir das machen, man könnte doch einfach einmal von oben nach unten nähen… Ja schon, aber da die Lagen recht dick sind, können sie sich durch den Druck des Nähfußes trotzdem immer noch etwas verschieben. Wenn wir von der Mitte anfangen, streichen wir den Stoff wie beim Pinnen nach außen, sodass die Decke glatt wird. Machen wir das nicht, kann es sein, dass später, wenn die Nähte sich kreuzen, Stoff „übrig bleibt“ und ihr so Falten an dieser Stelle rein näht. Gerade bei großen Decken ist es also ganz wichtig immer von der Mitte aus zu beginnen!

Tipp: Wenn euch der Stoff bei großen oder dicken Decken rechts von der Nadel unter der Maschine zu viel ist und ihr quetschen müsst. Rollt den Stoff an dieser Seite einfach auf bevor es unter die Maschine geht. Es verschiebt sich nichts weil ja alles gut gepinnt ist (und hier sticht man sich dann gerne in die Hände, wenn man keine Sicherheitsnadeln nimmt ;))

Nun näht ihr die anderen Reihen auch so. Auf den Bilder ist es glaub ich schneller erklärt als wenn ich das noch mal alles schreibe :) Ihr arbeitet euch also von der Mitte nach außen vor. Dabei kann die Reihenfolge beliebig sein (solange immer erst eine Hälfte der Geraden genäht wird und dann die andere, die Zahlen sollen nur noch mal das Vorgehen besser darstellen).

quilten3

quilten2
Eure Decke ist fast fertig, yeah! Darauf erst einmal ein Sekt/Tee/Kaffee/Wasser :)

Von hinten sieht sie dann in etwa so aus…

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…und von vorne so.

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Die überschüssigen Stoffreste von der Rückseite und vom Vlies könnt ihr jetzt abschneiden, ebenso die Stecknadeln rausnehmen.

IMG_0771

Das war es für heute, wenn Fragen sind, gerne, ich schreibe sie dann in den nächsten Tagen hier runter mit der Antwort.

Und morgen (oder Freitag) gibt es dann den letzten Teil, das Binding (die Umrandung).

Viel Spaß beim Quilten :)

Liebste Grüße,
Ricarda

Die weiteren Teile der Anleitung findest Du hier:
Anleitung Patchworkdecke nähen Teil 1- Vom Stoff bis zum Muster
Anleitung Patchworkdecke nähen Teil 2 – Von Stoffstücken zum fertigen Top
Anleitung Patchworkdecke Teil 4 – Das Einfassen

Edit
Hier die Fragen zum 3. Tutorialteil und meine Antworten


Wenn ich Fleece als Rückseite benutze, dann könnte das Falten werfen, da es ein dehnbarer Stoff ist, oder?
Bei Fleece gibt es unterschiede in der Dehnbarkeit, also einen benutzen, der sich nicht so sehr dehnt. Ich klebe den Fleece mit Malerkrepp oder ähnlichem auf den Fußboden fest, und zwar auf leichter Spannung, dann geht das sehr gut, ohne dass es später Falten gibt.

Nähst du beim Zusammennähen der 3 Lagen genau auf der Naht wo du die Quadrate zusammen genäht hast?
In den meisten Fällen: ja (warum auch immer ich davon jetzt gerade kein Foto haben *Kopf schüttel*)
Ihr könnt aber auch diagonal, parallel oder sonst wie quilten. Ganz wie es euch gefällt :)

Näht man wirklich auf der rechten („guten“) Seite, also auf dem Top?
Ganz klares ja ;)

Was bedeutet „im Nahtschatten nähen“?
Genau dort zu nähen, wo die beiden Stoffe sich treffen, also dort wo die Nähte sich treffen.

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