4 Tage im Schweigekloster

Ein Bericht, den ich euch noch schuldig bin – wie waren meine Tage im Schweigekloster?

Ich hatte es auf Instagram vor ein paar Monaten erzählt, dass ich für ein paar Tage in ein Schweigekloster gehen würde.

Warum? In unserer Welt sind wir so selten allein, nie für oder bei uns. Immer sind Leute um uns herum, egal ob real oder virtuell. Gerade in meinem Job ist das Handy und der PC viel zu selten aus und irgendwie ist man immer „on“.

Im Schweigekloster geht es also nicht nur darum in Stille zu sein, sondern auch für die Zeit ohne TV oder Handy auszukommen. Den Gedanken hatte ich schon lange, wie ich schon damals in meinen mittlerweile leicht veralteten 20 Facts about me erzählt habe. Mit 20 hat mir ein Bekannter mal davon erzählt, dass er eine Woche in einem Schweigekloster war, seitdem hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen.

10 Jahre später sollte es dann soweit sein. Gerade eine nicht leichte Trennung hinter mir, kurz vor meinem Umzug, alles im Auf- und Umbruch, da wusste ich, dass jetzt der beste Zeitpunkt ist, um das Projekt Schweigekloster anzugehen. Um die Stille zu genießen, mich zu sammeln, wieder mehr bei mir anzukommen.

Wie findet man ein Schweigekloster? Google spuckt dazu jede Menge Ergebnisse aus, auch wenn die Seiten teilweise gruselig aussehen. Nun denn, der Schwerpunkt liegt ja auch nicht im Onlineauftritt bei solchen Dingen. Es gibt ganz verschiedene Formen des Schwiegens – von Meditationszentren und Yogaretreats über Kloster wo wirklich Nonnen und Mönche leben, bis hin zu Retreats, wo das Ganze nicht ganz so streng genommen wird. Ich hatte mich für das Gut Saunstorf entschieden, da es räumlich schnell von Hamburg aus zu erreichen war. Die meisten Kloster findet man Richtung Süddeutschland und ich wollte für die paar Tage eine entspannte und schnelle Anreise haben. Außerdem sind die Räumlichkeiten wirklich sehr schön, das Essen gut und der Garten, sowie das Anwesen eine wahre Augenweide.

Um eins Vorweg zu nehmen „Ort der Stille“ trifft für das Gut nur so halb zu. Es waren auch zwei Gruppen dort, die einen um sich mit ihrer Kindheit zu beschäftigen (jedem das seine, aber Erwachsene Menschen mit Kuscheltieren beim Buffet war selbst für mich schon etwas befremdlich) und eine andere Gruppe, die sich mit Meditation und co beschäftigt hat. Dadurch hatte man beim Essen immer einen gewissen Geräuschpegel, was ich persönlich störend fand, hatte ich bei einem MBSR-Kurs schon mal einen Tag in Still verbracht und fand gerade das Essen mit den anderen Teilnehmern in Still als sehr erholsam.

Es wurde also nicht zu 100% geschwiegen in den 4 Tagen, aber mehr als 50 Wörter, danke, bitte, gern geschehen usw, werde ich wohl nicht gesprochen haben.

Für mich persönlich war aber auch gar nicht das Schweigen die Herausforderung, ich mag es auch im Büro mal gerne ruhig und fühle mich nicht unwohl, wenn mal ein paar Stunden nicht gesprochen wird, für mich war die größte Herausforderung nicht online zu sein. Und ich muss an dieser Stelle auch gestehen, dass ich es nicht die 4 Tage eingehalten habe, wobei ich im Nachhinein sagen muss, dass es auch perfekt passte, weil meine beste Freundin wenige Stunden nachdem mein Handy wieder an war, Mama geworden ist – es sollte wohl so sein. :)

Dennoch waren 2,5 Tage ohne Handy für mich wirklich hart. Was lächerlich klingt, zeigt mir einmal mehr, wie Abhängig ich davon bin. Dabei haben mir gar nicht so sehr meine automatischen Klicks auf Instagram und Facebook gefehlt, viel mehr war es Whatsapp um mich mit einer Familie und meinen Freunden zu verbinden. Man könnte ja etwas verpassen, oder hat gerade etwas gelesen, was man jemanden mitteilen mag. Wie geht es jemanden gerade? Mal schnell nachfragen. Unglaublich wie automatisch gesteuert ich von diesem Gerät bin!

Ich wurde einige Male gefragt, ob ich Bücher dabei hatte. Ja, die hatte ich dabei. Ich glaube ohne Bücher wäre ich nach einem Tag gefahren. Denn so schön das Wetter die Tage war, nach 2 Tagen im Garten liegen und spazieren würde ich wirklich nicht mehr wissen, was ich machen soll. Allerdings habe ich extra darauf geachtet, dass es keine Romane sondern Sachbücher sind, sodass sich das nicht einfach nur wie ein netter Kurzurlaub anfühlt, die unter anderem etwas mit Yoga und konzentrierten Arbeiten zutun hatten.

Am Ende bin ich statt 5 Tage nur 4 Tage geblieben. Ich war einfach zu unruhig. Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt, vielleicht brauche ich nicht so lange Auszeiten, vielleicht reicht mir ab und zu ein so ein Tag.

Was ich aus den Tagen gelernt habe? Ich würde mich im Vorfeld besser informieren, wie das Schweigeretreat genau aussieht. Ein Kloster wo man ein paar Stunden schweigend im Garten mithilft oder wo es geführte Meditationen oder Yoga gibt würde ich zum Beispiel für mich persönlich noch deutlich besser finden.

Was ich aber auch gelernt habe – ich muss nach wie vor mein Onlineverhalten versuchen zu ändern. Also ich muss es nicht, aber ich möchte es. Als ersten Schritt habe ich nach den paar Tagen nahezu alle Töne und Benachrichtigungen ausgemacht. Bei Facebook und Instagram kriege ich eh keine Benachrichtigungen, aber auch bei Whatsapp und Nachrichten, Facebooknachrichten und co hatte ich alles ausgestellt. Nur noch Anrufe wurden per Ton angekündigt, für alles andere musste ich zum Handy gehen und es entsperren. Ich bin noch lange nicht da angekommen, wo ich gerne wäre, aber auch das habe ich dort gemerkt – es muss gar nicht immer alles sofort sein, sondern kann auch nach und nach passieren.

Auch wenn manche Menschen vielleicht sagen würden, dass ich „gescheitert“ bin oder „aufgegeben“ habe – am Ende bin ich froh, dass ich es ausprobiert habe und ich finde das ist es, egal bei welcher Sache, worauf es im Leben ankommt. Erfahrungen zu sammeln, offen für Neues zu sein und diese Dinge dann auch irgendwann auszuprobieren – auch wenn es wie bei mir vielleicht 10 Jahre dauert.

Liebste Grüße,
Ricarda

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