Verzicht – 6 Wochen (oder länger) ohne Alkohol

Der Januar ist ja der typische Monat, wo viele Menschen sagen, dass sie kein Alkohol trinken möchten (mehr Sport machen möchten, sich gesünder ernähren möchten usw…).

Normalerweise gehöre ich nicht zu diesen Menschen und auch dieses Mal ist es eher Zufall, dass ich mir die Zeit ohne Alkohol den Januar ausgesucht habe. Nachdem ich das Thema „den Januar ohne Alkohol“ in ein oder zwei Podcasts gehört habe (okay ganz so zufällig ist der Zeitpunkt wohl doch nicht) – habe ich im Urlaub mir zwei Bücher zu dem Thema runtergeladen.
Einmal Nüchtern betrachtet war’s betrunken nicht so berauschend: Ein Trip in die Freiheit“ und  danach noch das englische Buch Sober Curious: The Blissful Sleep, Greater Focus, Limitless Presence, and Deep Connection Awaiting Us All on the Other Side of Alcohol“, weil ich mich mehr mit der Thematik beschäftigen wollte.
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Wann und wie trinkt man (bzw. ich) eigentlich Alkohol? Und ich meine jetzt keine Massen, sondern es geht um ein Glas Wein oder ein Bier oder ein Schnaps nach dem Essen… Okay bei den beiden letzten Punkten bin ich eh raus, aber bei Wein und Gin Tonic. Jep, da finde ich mich wieder.

Es geht mir weniger darum, was noch „normal“ ist, denn das artet oft in wenig hilfreichen Diskussionen aus, sondern es geht mir darum, mein eigenes Verhalten genauer zu betrachten. Wie oft trinke ich ein oder zwei Gläser Wein im Urlaub? Schon mehr Tage, als dass ich keinen trinke?
Wann trinke ich im Alltag? Oft, wenn ich mich mit abends Freunden zum Essen treffe, was je nachdem wie meine Woche aussieht gar nicht, oder nur am Wochenende sein kann, oder aber auch mal 3-4 Mal in der Woche. Ein Glas Wein und danach Wasser, okay, aber es bleibt dabei: Ich habe Alkohol getrunken.

Ich habe überlegt, wann es das letzte Mal war, dass ich so richtig betrunken war, so wie damals zu Teeniezeiten. Ist Gott sei Dank schon lange her, dennoch würde ich sagen, dass Alkohol ein mehr oder weniger fester Bestandteil in meinem Leben ist. Und das nicht, weil ich denke, dass ich ihn brauche, sondern weil ich zum Teil denke, dass mein Sozialleben ihn zum Teil braucht!

Ich habe weder das starke Verlangen Alkohol zu trinken, noch vernachlässige ich Interessen, wenn ich ihn trinke oder vernachlässige Bereiche in meinem Leben. Aber wie oft wird man komisch angeschaut, wenn man mit Freunden unterwegs ist und man sagt, dass man heute nichts trinkt (außer man fährt Auto, das ist eine der wenigen Antworten, die tragbar sind).
Abends in eine Bar mit Freunden gehen und einen alkoholfreien Cocktail trinken? Auch da kommen oft unbewusst komische Blicke (in meinem Alter heißt es dann eh oft gleich „bist Du schwanger?“ „Ähm nein, ich trinke heute einfach nur nicht“).
Als ich im Urlaub am letzten Tag zum Mittagessen in einem Restaurant mit angeschlossenen Weingut war, wurde ich vom Kellner fast vorwurfsvoll angeschaut, als ich beim Kellner nur ein Wasser bestellt habe. Danach sank die Temperatur der Freundlichkeit um ein bis zwei Grad. Stimmte das? Weil ich keinen Alkohol trinken wollte oder habe ich mir das nur eingebildet?

Vieles davon sind automatische Reaktionen, wenn man in unserer Gesellschaft lebt.

In dem ersten Buch, von dem ich oben erzählt habe, beschreibt die Autorin die Situation, dass andere sie gefragt oben, ob sie denn ein Alkoholprobem hätte… nachdem sie erzählt hat, dass sie aktuell nicht trinkt. Das Gegenüber fühlt sich oft unbewusst angegriffen, wenn der andere nicht trinkt. Verrückt, oder?

Natürlich kommt das auch ganz auf die Lebenssituation an. Wenn ich jetzt eine Mama mit zwei kleinen Kindern Zuhause wäre, dann würden die Gelegenheiten zum gesellschaftlichen Trinken vielleicht anders aussehen als bei mir als Single in der Großstadt, wo ich abends öfter unterwegs bin.

Warum ich über das Thema schreibe? Weil ich es spannend finde! Es ein Thema, was in unserer Gesellschaft oft nur schwierig thematisiert werden kann. Wenn man drüber redet, ob man trinkt, warum man trinkt und wie oft, ist man gleich Alkoholiker. Warum reden wir  nicht entspannt über Alkohol, ohne gleich den Zeigefinger zu erheben?
Die Bücher haben mich zum Nachdenken angeregt. Wann und wie trinke ich? Trinke ich Alkohol, weil es mir schmeckt? Fühle ich mich leistungsfähiger, wenn ich längere Zeit gar nichts trinke? Wie fühle ich mich bei Geburtstagen, Veranstaltungen, Partys und co, wenn ich als einzige gar nichts trinke? Weil es bei bestimmten Gelegenheiten Gewohnheit ist?

Alkohol ist in unserer Gesellschaft sehr akzeptiert und wird teilweise sogar als cool dargestellt. Zumindest, wenn man es aus schicken Gläsern trinkt und nicht den Flachmann an der Supermarktkasse mittags um zwölf kauft (Sind wir ehrlich, das Bild oben würde mit einem Wasserglas anders wirken). Obwohl Alkohol am Ende eine Droge ist und ich Drogen jeglicher Art ansonsten verabscheue (ich rauche nicht, habe noch nie gekifft oder sonst irgendwelche Drogen genommen). Warum ist das bei Alkohol also anders?

Aus diesem Grund werde ich zunächst bis Ende Februar keinen Alkohol trinken. Das sind etwas mehr als 6 Wochen. Wann war das letzte Mal, dass ich 6 Wochen gar keinen Schluck Alkohol getrunken habe? Letztes Jahr bei der Yogaausbildung waren es 4 Wochen, aber davor… Wird schon eine Weile her gewesen sein.

Ich bin gespannt darauf, wie ich nach dieser Zeit denke und ob ich danach noch länger auf Wein und Gin Tonic verzichte.
Ob es komische Augenblicke geben wird, ob es mir leicht fällt, oder ob ich mich doch mal nach einem Glas Wein sehnen werde und dann werde ich es vor allem spannend finden, warum ich es gerade vermisse. Vielleicht weil ich etwas feiern will und ich sonst oft so Gelegenheiten feiere? Weil ich mich ausgeschlossen fühlen könnte?

Ich bin gespannt und freue mich auf die nächsten Wochen.

Liebste Grüße,
Ricarda

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