Das letzte Jahr

Es gibt Themen, da denke ich „Nein, das kannste hier nicht bringen.“

Zu privat, zu wenig heile Welt, zu viel ich, zu wenig DIY. Aber dann erinnere ich mich manchmal an meine Bloganfänge zurück. Da gab es keine Statistik über Zahlen, keine Koops, keine Schnittmuster, nur ein wenig DIY-Gewerkel mit nicht so schönen Bildern. Und das war echt schön. Und der Blog hat mir damals – unbewusst und wie ich heute erst weiß – sehr aus einem Tief heraus geholfen.

Und irgendwo ist das hier immer noch eine Art Tagebuch für mich, auch wenn vieles sich verändert hat.

Heute war ich mit meiner Schwester spontan Fotos machen, es gab eine neue Tunika aus Gardine – pardon – wunderschönen Stoff mit Spitze und als ich hinterher die Fotos angeschaut habe dachte ich…. Ja das bin langsam wieder ich.

Manchmal hat man ja eine bestimmte Vorstellung im Kopf, wie Fotos aussehen sollen. Manchmal stimmt es, manchmal so gar nicht und manchmal erkennt man sich selbst auf den Fotos nicht. Oder wie heute, ich schaue die Fotos an und denke, ja genau, ich erkenne mich langsam wieder.

Ich sage es ohne Umschweife, aus privater Sicht war dieses Jahr wirklich richtig, richtig besch… Manchmal dachte ich bei meinen Instafeed, dass ich gerade gerne wirklich dieses Leben hätte. Eine Trennung haut einen mit 30 genauso aus den Socken wie mit 20, nur dass man mit 30 die Hoffnung hatte, dass man endlich angekommen ist. Mit 30 denkt man als Frau vielleicht an Familie, an Kinder… Und der Partner vielleicht nicht. Dann gibt es viele Gespräche, viele Tränen, mal mehr, mal gar kein Verständnis, mal viel Wut, Trauer und den Wunsch, dass man es doch irgendwie hinbekommt.
Aber sind wir ehrlich, es gibt im Leben Themen, da gibt es kein Kompromiss, keine Graustufen, nur schwarz oder weiß. Und so muss man irgendwann eine Entscheidung treffen, wie viel kann man alleine und als Paar noch verkraften, wie viel ist noch gesund und wie viel macht Dich einfach unheimlich traurig. Dass der komplette Freundeskreis zeitgleich ein Kind nach dem anderen bekommt ist da nicht gerade hilfreich und ja, man denkt auch, wenn ich mich jetzt trenne, dann dauert das mit der Familie vielleicht noch länger, als wenn man zusammen bleibt. Und dann hält man aus, kämpft, zweifelt und das Ganze wieder von vorne.
Dazwischen schmeißt Du vielleicht noch die Accounts aus deinem Instafeed, wo sich alles um das perfekte Familienleben dreht, wo jemand gerade schwanger ist oder wo das Leben mit Kind, Mann und Hund eh jeden Tag ein Traum ist. Denn Du kannst das gerade nicht. Es kostet Dich Kraft und Nerven und Du fühlst Dich trotz Familie und Freunde so verdammt alleine, einfach weil Du das Gefühl hast, dass Du und Dein Partner gegeneinander seid, obwohl ihr lieber miteinander währt.
Irgendwann kann man aber nicht länger aushalten und muss für sich die schwere Entscheidung treffen, dass diese Situation für beide zu belastend ist. Ich wünschte, ich hätte diese Entscheidung nicht treffen müssen und sie wäre mir abgenommen worden. So denkt man mehr als einmal – war das die richtige Entscheidung?
Du weißt, dass es Dir irgendwann besser gehen wird, aber könnte dieses später bitte jetzt sofort sein, damit alles etwas leichter wird?!

All dies ist jetzt ein paar Monate her. Nicht immer geht es einem gut, aber Gott sei dank auch nicht mehr jeden Tag unsagbar schlecht. Vieles fühlt sich noch falsch und fremd an, aber zum Glück nicht mehr alles, jede Sekunde des Tages.

Warum ich das hier schreibe? Weil es mit Sicherheit nicht nur mir so geht. Es ging schon vielen so oder so ähnlich und es wird auch noch vielen so gehen. Es gibt vielleicht andere Themen, aber die Gefühle sind vielleicht die selben.

Und dann sah ich heute die Fotos von mir und dachte auf einmal, dass ich nicht mehr nur müde und abgekämpft aussehe, sondern dass ich da auch endlich wieder die Person sehe, die ich unter all den Emotionen des letzten Jahres bin. Also denkt daran, irgendwann wird es besser – immer.

Schnitt: Laboe

Stoff: Spitzenborte von alles-fuer-selbermacher

Liebste Grüße,
Ricarda

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