Stell Dir vor Du bist eine Schale. Erst wenn Du gefüllt bist und überläufst, erst dann kannst Du auch anderen Gutes tun.
Bähm! In dieser Art lautetet der Satz, den meine Yogalehrerin im Mai bei einem Workshop fallen lies. Mein erster Gedanke war: Boah, das ist aber schon ziemlich egoistisch. Erst wenn es mir so richtig gut geht, kann ich an andere denken?
Aber seitdem habe ich öfter über diesen Satz nachgedacht. Und ich glaube, dass er so etwas von stimmt! Das beste Beispiel sind für mich Mütter. Auch wenn ich selber noch keine Ahnung davon habe, wie ein Leben als Mutter aussieht, kann man es immer wieder beobachten. Egal ob bei Müttern, Vätern, Familien, Paaren oder nur Freunden – die Art und Weise wie Menschen miteinander agieren lässt oft darauf schließen, wie zufrieden der Mensch ist.
Warum auch nicht? Erst wenn man selber genug Energie hat, kann man auch Energie für andere aufbringen. Das kennt wohl jeder, der schon mal unter Strom stand, selber einen Haufen zu tun hatte, hier ein Problem, dort ein Streit, drüben noch Termindruck – und dennoch wollte man anderen helfen. Und konnte es nur so halb. Oder es hat uns unendlich viel Kraft gekostet.
Versteht mich nicht falsch, damit will ich nicht sagen, dass man sich umdrehen und weg gehen soll, wenn jemand anderes Probleme hat, nur weil man selber gerade nicht bei 100% ist. Aber sind wir mal ehrlich, andere gehen meist vor. Auf sich schaut man als letztes. Gerade Mütter. Wie hat meine Mama mal gesagt, wenn da noch 3 Stück Kuchen sind und Du hast 3 Kinder, dann hat man auf einmal selber gar keine Lust mehr auf Kuchen.
Bei Kuchen mag das auch okay sein, aber nicht beim Leben.
Vor kurzem habe ich eine Dokumentation gesehen: Tomorrow – einer der besten Filme, die ich seit einer Ewigkeit gesehen habe! Es ging um unsere Welt, was aus ihr geworden ist – und wie wir Lösungen finden können.
Kein deprimierender Film, nach dem Motto „Die Welt ist so schlecht und wir können eh nichts mehr machen.“, nein ein Film mit vielen kleinen und großen Beispielen, wo schon so viel Gutes getan wird. San Francisco, eine Stadt dir über 80% ihres Mülls recycelt und den anfallenden Kompost günstig an Landwirte in der Umgebung verkauft; das Schulsystem in Skandinavien; Regionen in England die eigene Währungen eingeführt haben, damit das Geld in der Region bleibt; Bauern in Frankreich, die früher Juristen waren und jetzt auf wenig Fläche unglaubliches Leisten; Unternehmen, die auf den ersten Blick definitiv nicht nachhaltig wirken, aber viel dafür tun, dass so viel positives wie möglich in ihrem Unternehmen passiert.
Ganz ehrlich, ich bin aus der Vorstellung rausgegangen und war völlig geflasht. Was für ein geiler Film! Mir wurde gerade gesagt, dass man ihn nun auch auf YouTube findet – anschauen bitte. :))
Und sofort war ich im Modus „Was kann ich machen?“ Denn irgendwas kann jeder von uns machen. Aber ich musste mir selber eingestehen, dass meine Schale, von der meine Yogalehrerin vor Monaten sprach, aktuell nicht voll war. Und ich wusste, jede Bemühung die ich machen würde, würde mich mehr Energie kosten als ich spenden könnte.
Angefangen bei meinen ungesunden Süßigkeiten- und Snackverhalten zu der Zeit. Es ging mir nicht richtig schlecht, aber ich war durch den ganzen Zucker dauermüde und ein wenig antriebslos. Also habe ich meine Ernährung umgestellt. Mein zuckerfreies Experiment läuft ein bisschen lockerer weiter, ich gönne mir hin und wieder ein Stück 92% Schokolade oder wenn ich irgendwo essen bin, schaue ich nicht ganz so genau darauf, wie denn nun die Sauce hergestellt ist, aber es geht mir gut damit. Ich habe kein großes Verlangen nach Süßigkeiten und dadurch bin ich fitter und wacher.
Nun habe ich endlich Energie für andere Sachen. Diesen Monat wird es hier im Blog mehr zum Thema Nachhaltigkeit geben. Was kann ich im kleinen machen, damit wir die Umwelt nicht noch mehr belasten.
Was geht mich das an? Was kann ich alleine verändern? Das ist doch alles etwas radikal. Und anstrengend.
Mal ganz ehrlich, 98% von uns haben so unfassbar bequeme Leben. Wir haben Luxusprobleme der schönsten Art. Klar es bleiben Probleme. Aber trotzdem freue ich mich, wenn ich selber meinen Hintern hochkriege und zum Beispiel meinen To Go Becher dabei habe, wenn ich mir mal einen Kaffee unterwegs hole. Oder ich mir mein Waschpulver selber mache. Ist das hier und da zuerst ein bisschen mehr Arbeit? Möglich. Lohnt sich das? Aber ja!
Natürlich können wir nicht von heute auf morgen die Welt verändern, aber stellt euch mal vor, eure Kinder fragen euch in 20 Jahren „Mama, warum gab es zu Deiner Zeit eigentlich Plastiktüten?“ oder „Warum wolltet ihr damals immer nur mehr und ward nie mit dem zufrieden wie es gerade war?“ – der Gedanke gefällt mir.
Daher werde ich euch diesen Monat ein paar kleine Sachen hier vorstellen. Angefangen von selbst gemachten Deo (mega! Wirkt top und ist so unfassbar einfach und günstig hergestellt) über Alternativen zu Tampons (muss noch getestet werden, ich bin gespannt) bis hin zu absoluten Fails (mein selbst gemachtes Geschirrspüllmittel – das Geschirr war so stumpf, ich musste alles noch mal mit der Hand waschen). Auch von meinem Selbstversuch ohne Shampoo auszukommen werde ich euch berichten. Woran ich ehrlich gesagt nach einer Woche sehr verzweifle. Meine Haare sind so fettig – unangenehm! Und ja, ich schwanke stark ob ich nicht wieder Shampoo nehmen soll. Der Geruch, wie das schäumt – herrlich! Aber es sind in fast allen Shampoos so viele Silikone und Plastikteile drinnen. Das will ich weder an den Haaren, auf der Haut und erst recht nicht in unserem Wasser haben. Also ja, es ist zum Teil am Anfang anstrengend.
Aber hey, solange seine eigene Schale (fast) voll ist, hast Du die Energie und das ist es doch wert. Mir ist es lieber, wenn jeder Mensch solch Kleinigkeiten tut, als wenn wenige Menschen ein Zero Waste Leben führen (die Kombi wäre natürlich noch besser ;)). Denn damit sorgen wir dafür, dass es in Zukunft allen Menschen und Tieren besser gehen wird.
Also tut euch selber etwas Gutes. Und danach tut vielleicht etwas Gutes für uns alle.
Liebste Grüße,
Ricarda

