Was ist (für mich) Yoga – Klischees, Vorurteile und vielleicht neue Blickwinkel

Ich habe es bereits im letzten Post angekündigt – der August wird ganz im Zeichen von Yoga, Mediation und Achtsamkeit bei Pech&Schwefel stehen. Nicht nur, weil dort einige Schnitte auf euch warten, sondern vor alledem, weil ich finde, dass Yoga ein tolles Tool für unsere hektische Welt ist, wo wir uns oft zu wenig bewegen und zu viel am Schreibtisch sitzen, wo wir viel zu früh Rückenschmerzen kriegen und wo Mobbing, Selbstzweifel und Ängste leider für viele Menschen zum Alltag gehören.

Und bevor Du jetzt weg klickst, weil Du mit Yoga nichts am Hut hast und Mediation eh nur Esoterikgedöns ist – ich versuche so frei und unbedarft wie möglich an das Thema diesen Monat zu gehen, vielleicht magst Du dabei mitmachen.
Denn ich weiß, dass das Thema Rund um Yoga, Mediation und Achtsamkeit sehr polarisierend ist – entweder man liebt Yoga, macht es zu seiner Religion (obwohl Yoga weit weg von Religion ist, aber dazu später mehr) und schwört darauf, dass Yoga das Allheilmittel für oder gegen alles ist oder man kann es gar nicht leiden und macht sich vielleicht lustig über die Leute, die Yoga als Sport bezeichnen (was es auch nicht ist, aber auch dazu später mehr) und auf einmal zu veganen Weltverbesserer werden, die mit dem erhobenen Zeigefinger kommen, sobald man selber mal einen Coffee to Go ohne selbst mitgebrachten Thermobecher bestellt.

Überspitzt? Ja, aber oft höre ich etwas in die eine oder in die andere Richtung und wie in den meisten Fällen, liegt die Wahrheit in der Mitte. Für mich.
Und das ist schon der erste Ansatz vom Yoga – es gibt keine Regeln, kein vorgeschriebenen Gesetze was man tun oder nicht tun soll. Entspannend, oder? Gefühlt gibt es in der heutigen Zeit, gerade durch die Medien suggeriert, so viele Dinge die man nur falsch oder richtig machen kann – entweder oder, schwarz oder weiß. Das kann man im Yoga komplett über Bord schmeißen.
Deswegen ist Yoga für mich auch sehr weit weg von Religion, wo es aus meinem Verständnis heraus oft um Verbote und Regeln geht, um Dogmen und „sich aus der Verantwortung ziehen“ weil man vorgeschrieben bekommt, wie man sich verhalten soll.
Man hört es vielleicht heraus, ich glaube selber nicht an Gott, so wie die Kirche es vorgibt, ich glaube allerdings schon daran, dass es etwas übergeordnetes gibt – ob man es Gott, das Universum, die Unendlichkeit oder sonst wie nennen mag. Feel free und finde für Dich selber, was zu Dir und Deinen Überzeugungen passt.

Aber nun zum eigentlichen Thema zurück – was ist denn nun Yoga?

Ich fange am besten an, was Yoga nicht für mich ist, denn da gibt es heutzutage oft viele Missverständnisse.
Yoga ist kein besseres Bauch, Beine, Po, es ist kein Sport im klassischen Sinne. Ein netter Nebeneffekt von Yoga ist, dass die Muskeln gestärkt und die Faszien (das Gewebe um unsere Muskeln herum, die in sehr vielen Fällen für Schmerzen und Verspannungen verantwortlich sind, weil sie durch Stress, falsche Ernährung und zu wenig Bewegung verklebt sind) wieder weicher werden.
Nicht selten werden gerade Rücken- und Kopfschmerzen durch Yoga signifikant besser (nicht nur bei mir, wirklich bei jedem den ich kenne, der mit Yoga angefangen hat), die Beweglichkeit nimmt deutlich zu (und dabei meine ich nicht, dass man sich danach wie eine Brezel verbiegen kann, gerade für ältere Menschen kann Yoga kleine Wunder bewirken, was den Bewegungsapparat angeht und dadurch ein Zugewinn an Mobilität sein, meine Mama ist das beste Beispiel, die mit 65 Jahren mit Yoga angefangen hat) und auch so fiese Stellen wie das berühmte Winkfleisch an den Armen kann zurückgehen.

Es ist auch total super, wenn viele Menschen aus dem sportlichen Aspekt mit dem Yoga beginnen, aber das ist nur ein Nebeneffekt.
Der große Unterschied zu vermeintlich anderen Sportarten ist, dass man beim Yoga nicht gegen seinen Körper ankämpft.
Wie das gemeint ist?
Bei vielen anderen Sportarten geht es ums Extreme. Cross Fit zum Beispiel ist super beliebt, habe ich selber auch ausprobiert, ist mit Sicherheit super effektiv für die Bikinifigur, aber man arbeitet die ganze Zeit nicht mit seinem Körper, sondern gegen ihn an. Ich bin der Meinung, dass man sich während so einer Cross Fit Einheit nicht wirklich gut fühlen kann. Hinterher klar, werden jede Menge Glücksgefühle freigesetzt, man ist froh, dass man es geschafft hat, ist stolz auf sich – aber eigentlich hat man seinen Körper gerade bis ans Limit und vielleicht ein wenig darüber hinaus gebracht, man hat nicht darauf gehört, was der Körper gerade braucht oder gut findet.
Beim Yoga kann man zwar auch an seine Grenzen gehen, aber es ist wichtig beim Yoga die ganze Zeit auf seinen Körper zu hören.
Da ist meist schon die erste Hürde für einen erfolgreichen Start ins Yogaleben, wir haben oft verlernt überhaupt auf unseren Körper zu hören und ihn richtig zu spüren (dazu mehr in einem anderen Post, wenn es ums Meditieren und Achtsamkeit geht). War zumindest für mich am Anfang gar nicht so einfach. Bin ich gerade schon an meiner Grenze, oder einfach nur heute faul? Ist mein Körper für die nächste Übung schon soweit oder will mein Ego das?

Nächster Punkt. Yoga ist nicht das, was man auf Instagram sieht! Es geht nicht darum, in engen Hosen und fancy Sport BH für 100 Euro (kein Witz, man kann für Yogakleidung ein Vermögen ausgeben und viele tun es gerne, was ein wenig paradox ist, wenn man bedenkt, dass es beim Yoga nicht darum geht wie man auf der Matte aussieht, aber das ist in der westlichen Welt oft ein etwas verschobenes Bild leider) die krassesten Umkehrhaltungen zu machen, geschmeidig in einen Handstand zu gehen und dort fürs Foto auszuharren!
Ich denke das ist einer Hauptgründe, warum Menschen, die noch kein Yoga gemacht haben, so ein falsches Bild von Yoga haben. Man muss weder beweglich, noch dünn, noch stark, noch schick angezogen sein, um mit Yoga zu starten.
Wenn Du zum Beispiel sehr unbeweglich bist, desto schneller wirst Du erste Erfolge sehen, was klasse ist! Und zwar nicht in der Hinsicht, weil Du tiefer in bestimmte Posen kommst, sondern weil Du auf einmal im Stehen Deine Schuhe zumachen kannst und Dich dafür nicht mehr auf einen Stuhl setzen musst oder dass Du, wenn Du über Deine Schulter gucken möchtest nicht mehr Deinen ganzen Oberkörper drehen musst, sondern nur noch Deinen Hals, weil es auf einmal wieder geht!
Es gibt von Natur aus Menschen, die sind flexibler oder stärker als andere (die übrigens genau am Gegenteil mehr arbeiten sollten, um im Körper eine Balance herzustellen, leider arbeitet man oft an den Dingen, die man eh schon gut kann).
Ich werde zum Beispiel niemals, egal wie viel Yoga ich in meinem Leben mache, bestimmte Verrenkungen hinbekommen. Einfach weil mein Körperbau und wie meine Oberschenkelknochen im Hüftgelenk sitzen nicht dafür ausgerichtet sind. Egal! Oder andere Menschen werden immer Probleme damit haben, wenn es um Übungen geht, wo man viel Kraft braucht, auch egal!
Und man darf nicht vergessen, man fängt in der Regel nicht mit etwas an, weil man es schon kann, sondern weil man es lernen möchte.

Wer also mal Yoga ausprobieren möchte, der sollte sich nicht davon abschrecken lassen, wie man dabei vielleicht aussehen könnte, weil man zum Beispiel unflexibel ist.
Denn das wichtigste – und am Anfang für mich mit Abstand schwierigste! – beim Yoga ist, einfach auf seiner Matte zu bleiben.
Es ist egal, wie der neben Dir aussieht, ob Du oder er eine Pose „besser“ kann (besser gibt es im Yoga auch nicht, zumindest hat besser wenn nur etwas damit zu tun, dass die Ausrichtung für Deinen Körper stimmt, und nicht wie tief/weit/hoch Du kommst). Mach Dir keine Gedanken darum, was der neben Dir denken könnte.
Haha – leichter gesagt als getan, ich weiß. Klappt bei mir auch nicht immer, ich habe auch mal schlechte Tage, wo die Tante neben mir mir auf den Zeiger geht, weil sie zeigen muss wie toll sie etwas kann, wo mir von meinem Nachbarn der Schnupfen bei Atemtechniken auf die Nerven geht oder wo ich denke, dass ich etwas ja vieeeeel besser kann als der neben mir.
Ja, das ist super Anti-Yogi… Aber auch das ist okay, solange man sich das bewusst macht und beim nächsten Mal wieder versucht, nur bei sich zu sein.

Das ist übrigens eine der Übungen, die sich als erstes auch auf meinen Alltag ausgewirkt hat! Yoga findet nämlich nicht nur auf der Matte statt, sondern die Vorteile können sich auf Dein ganzes Leben auswirken.
Klingt jetzt doch ein wenig nach Allheilmittel? Zumindest dieses „bei sich auf der eignen Matte bleiben“ wirkt sich nach einiger Zeit sehr positiv auf den Alltag aus, einfach weil man sich nicht mehr so viel vergleicht und mehr bei sich ist. Das geschieht ganz automatisch und ist ein großartiger Nebeneffekt.

Kurz gesagt – was ist Yoga jetzt für mich?
Yoga ist für mich ein großartiger Weg um nicht nur meinen Körper, sondern auch und vor alledem meinen Geist zu stärken. Yoga macht mich ausgeglichener, geduldiger und verständnisvoller und nebenbei hat es den wundervollen Nebeneffekt, dass ich so selten Migräne habe wie nie zuvor in meinem Leben und meine Nackenverspannungen deutlich besser geworden sind.
Yoga ist mehr als nur auf einer Matte zu turnen, Yoga kann sich auf den kompletten Alltag positiv auswirken.

Mein indischer Philosophielehrer in Sri Lanka hat gesagt, dass Yoga mit Konzentration beginnt und endet. Yoga ist Konzentration und Disziplin.
Eine Aussage, die ich so unterschreibe, nachdem ich mich seit Jahren damit beschäftige, die für den Anfang aber möglicherweise etwas viel und abschreckend sein mag. :) Aber das bricht es gut aufs Wesentliche runter und ja – es überträgt sich automatisch auf Deinen Alltag,

Und ich weiß, jetzt denken einige bestimmt „ich habe Yoga schon ausprobiert, das war überhaupt nichts für mich“.
Kann ich total verstehen! Es gibt Yogaarten, wenn ich mit denen meine erste Yogastunde gehabt hätte, ich wäre nie wieder in die Nähe einer Yogaschule gegangen! Man kann Yoga nicht pauschalisieren, das ist in etwa so, als wenn man einmal Brokkoli gegessen hat, es nicht mag und dann kategorisch sagt, dass man kein Gemüse mag.
Mittlerweile gibt es unzählige Yogaarten, mache vielleicht sinnvoller als andere (Weinyoga, kein Witz). Aus dem Ursprung des Yogas sind so viele Stile entstanden, sodass ich mir sicher bin, dass für wirklich jeden etwas passendes dabei ist.

Du bist eher faul und magst Dich wenig bewegen? Yin- und Faszienyoga wäre da zum Beispiel super.
Du bist eher super aktiv, macht Triathlon und schwitzt gerne? Hot Yoga und Vinyasa Flow ist da genau das richtige zum Ausprobieren.

Ich selber kann nicht sagen, das ist die eine Yogaart, die ich immer mag. Je nachdem wie ich mich körperlich oder mental fühle, brauche ich mal eine Yogaeinheit zum Auspowern, oder eine wo ich mich voll und ganz auf die einzelnen Posen konzentrieren muss, oder eine wo Musik im Hintergrund läuft weil mich das pusht oder auch mal eine Klasse, wo noch nicht einmal der Lehrer redet oder wo Yoga die meiste Zeit auf dem Boden stattfindet und ganz sanft ist. Da muss man einfach ein wenig ausprobieren und lernen auf sich zu hören.
Ich weiß, die verschiedenen Stile sind am Anfang super verwirrend. aber da kann man ganz offen ran gehen, sich vorher telefonisch auch gern beim Studio erkundigen und einfach mal in unterschiedliche Klassen rein schnuppern. Einfach machen und probieren. :)

Ihr merkt vielleicht, ich könnte wirklich ewig über das Thema schreiben und musste für diesen Post schon die Themen Meditation und Achtsamkeit streichen. Dazu dann ein anderes Mal mehr. :)

Nun interessiert mich aber – macht ihr Yoga? Habt ihr es schon mal ausprobiert? Wenn ja, warum habt ihr aufgehört? Oder was hält euch von Yoga ab? Welche Themen interessieren euch, die ich gerne noch ansprechen soll?
Ich habe auf jeden Fall noch einiges für euch auf dem Zettel, was ich wichtig zu dem Thema finde – aber vor allem sollte man das Thema, wie das Leben, nicht zu ernst nehmen.

Liebste Grüße,
Ricarda

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