#2015ohneshoppen – Shoppen ist für mich kein Hobby mehr

Hello ihr Lieben,

viel zu lange ist mein letzter Bericht zum Thema #2015ohneshoppen schon her. Wer sich erinnern mag, worum es mir dabei geht, findet hier die Anfänge zu dem Thema und hier den letzten Zwischenstand.

Ende Januar startete mein Projekt und fast 3/4 des Jahres ist nun um. Ursprünglich wollte ich öfter von dem Projekt berichten, von den Schattenseiten, den Schwierigkeiten und Versuchungen.

Aber ehrlich gesagt, in der Regel gibt es keins der oben genannten Probleme. Eine Sache, die ich mir nie und nimmer so vorgestellt hätte!

Wie ihr wisst, bin ich ein typisches Beispiel für unsere Konsumgesellschaft. Und hey, ich mag Konsum immer noch, gar keine Frage! Aber die Sichtweise verschiebt sich. Natürlich auch durchs selber nähen.

Ganz besonders beeindruckt hat mich allerdings vor ein paar Wochen die Ausstellung Fast Fashion in Hamburg (leider ist sie bereits zu Ende, aber ab Dezember wird sie in Dresden vorgesetzt. Ich hoffe sehr, dass weitere Städte folgen werden!). Es war ein Sonntagnachmittag und ich hatte Lust für ein paar Stunden alleine ins Museum zu gehen (ha! Ein Satz den ich noch nie geschrieben habe).

Als ich wieder aus der Ausstellung raus kam, war ich sehr bewegt und aufgewühlt und die Ausstellung klang noch lange in mir nach. Mehr als einmal musste ich mir das ein oder andere Tränchen wegwischen, weil ich mich einfach so sehr geschämt habe, wie gedankenlos wir in der westlichen Welt mit vielen Dingen umgehen, einfach weil sie uns „weit weg“ erscheinen. Die Ausstellung war einfach großartig und auf gewisse Art und Weise präsentierte sie die Sicht der Dinge völlig neutral und unaufgeregt. Viele Seiten der Kleidungsindustrie wurden dargestellt, neutrale Fakten, Schautafeln und Bilder, Filmsequenzen aus Bangladesch und Afrika gezeigt, daneben Tiervideos aus Amerika und Australien (ich werde nie wieder etwas mit Angorawolle kaufen!) und auf der anderen Seite des Raumes Videos von jungen Teenagern, die Haul-Videos veröffentlichen (Videos, wo ihre Shoppingbeute präsentiert wird).

Die Haul-Videos waren es, die mich wahrscheinlich am meisten erschütterst haben. Auch, weil sie mir mein eigenes Verhalten vor wenigen Jahren – überspitzt – vor Augen gehalten haben. Da sitzen Teenies, die sich dabei filmen, wie sie 3 dicke Tüten von einer einzigen Shoppingtour auspacken, und für alles zusammen nur 120 Euro bezahlt haben. Keine Ahnung wofür sie diese Hose braucht, aber sie hat nur 9 Euro gekostet. Hier das Top, das musste sie unbedingt haben, obwohl sie genau so eins in der Farbe schon im Schrank hat, aber es gab 2 zum Preis von 1 und für 2,50 Euro muss man das ja mitnehmen. Oh was ist denn noch in der Tüte? Ach ja die Winterjacke für 25 Euro, die hätte er ja schon wieder ganz vergessen, aber die musste noch mit, immerhin kann man davon immer noch eine mehr gebrauchen.

Solche Videos gibt es tausende auf YouTube. Auch ich bin früher mit meinen Mädels extra nach Bremen zu Pri*mark gefahren, um shoppen zu gehen. Weil es ja so günstig ist.

Natürlich weiß ich, dass ein Jahr ohne Kleidung zu kaufen das andere Extrem ist. Und mir ist auch völlig klar, dass nicht jeder alle Kleidung selber nähen kann (wer das schafft, mein Respekt!) und will. Auch sage ich nicht, dass kein Mensch mehr bei den Billigläden einkaufen gehen soll. Teure Markenartikel werden oft auch nicht viel besser hergestellt, das ist auch klar.
Letztens hatte ich hier einen Katalog auf meinem Küchentresen liegen und war so kurz davor, online etwas zu bestellen. Die Katalogbilder sahen aber auch verlockend aus!

Wie bei allen Sachen kommt es auf das richtige Verhältnis an. Wenn ich nächstes Jahr an 8 von 10 Kleidungsstücken vorbei gehen kann, anstatt wie früher an… 3 von 10, dann finde ich das für den Anfang okay. Ich werde versuchen mich mehr über nachhaltige Mode, über die verschiedenen Zertifikate und co zu informieren und informiere auch gerne auf dem Blog darüber. Denn das finde ich immer noch sehr schwer. Welche Marken kann man überhaupt kaufen, ohne nur den Konzernen Gutes zu tun, sondern auch den Arbeitern einen fairen Lohn zu ermöglichen. Auf den Internetseiten findet man bei den meisten nichts dazu! Wobei mir klar ist, dass „fair“ ein schwieriger Begriff ist. Aber auch in die Thematik möchte ich mich tiefer einarbeiten.

Zu einem Zwischenstand gehören auch Bilder. Ich hatte euch hier einen Einblick in meinen Kleiderschrank gegeben. Könnt ihr euch an mein System mit dem Bändchen erinnern? Alles was ich dieses Jahr bereits getragen habe kommt links vom Bändchen auf die Stange, alles andere rechts davon und wird am Ende des Jahres ungesehen aussortiert/gespendet/verkauft.

Hier Bilder nach 9 Monaten.

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Alles was man auf dem Bild mit der Tür zu sehen kann, habe ich dieses Jahr noch nicht getragen.Ich bin gespannt, wie es Ende des Jahres aussieht, ich befürchte nicht viel anders. Ich berichte.

Macht ihr noch mit? Verlinkt gern unter dem Beitrag eure Blogbeiträge oder Bilder.
Wenn ihr Modelabel kennt, die nachhaltig produzieren und wo man weiß, wo die Kleidung hergestellt wird, freue ich mich auch sehr, wenn wir hier unter dem Post eine kleine Liste anfertigen. Also immer her mit den Namen :)

Liebste Grüße,

Ricarda

P.S. Ich habe für die Hochzeit meiner besten Freundin ein Kleid gekauft. Es gab keinen Stoff im passenden Ton, sodass ich mir selber eins hätte nähen können. So ganz vorhersehen kann man so ein Jahr nun mal nicht.

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