Mein Leben, Privates

Von Vergleichen und neuen bzw. gewohnten Dingen – eine Minianleitung für mehr Glück

Höher, weiter, schneller… in Großstädten ist dies vielleicht ein noch verbreiteteres Problem als in ländlichen Gegenden – man geht 3-4 Mal die Woche abends Essen –  sind ja Geschäftstermine – dort eine Ausstellung oder Kino, hier Theater und dann noch Sportart A bis Z ausprobieren.

Das andere extrem sind die Menschen, die in einer Art Lethargie des Alltags feststecken.
Wieviele Menschen gibt es, die bereits am Montag den Freitag herbei sehnen? Die von Wochenende zu Wochenende leben? Bis zum nächsten Urlaub? Bis wieder etwas aufregendes passiert?

Der eine Typ Mensch füllt den Alltag mit aufregenden Dingen, bis sie normal geworden sind und der andere Typ harrt in seinem Alltag aus bis… ja was eigentlich passiert?

Ich selber war dieses Jahr viel unterwegs, habe viele neue Plätze gesehen, habe gestaunt, Länder bereist in denen ich vorher noch nie war und hatte eine wundervolle Zeit dort.

Aber während diesen Reisen ist mir aufgefallen, wie sehr wir Menschen aufpassen müssen, dass wir nicht komplett abstumpfen und das hat immens mit den beiden Punkten „Vergleichen“ und „neuen bzw. gewohnten Dingen“ zu tun.

Vergleichen

Sich zu vergleichen ist nie gut, das wissen wir eigentlich. Entweder ist man hinterher deprimiert oder man fühlt sich überlegen/besser/schlauer oder ähnliches, was beides kein erstrebenswerter Zustand ist.

Es geht hier aber darüber hinaus, denn ich spreche hier nicht vom Vergleich mit anderen, sondern von Vergleichen in seinem Kopf.

Mir selber ist das sehr deutlich geworden, als ich mit Nadine im Oman im Wüstencamp war – eine tolle und einmalige Erfahrung… Wäre ich nicht ein paar Monate davor in einem Wüstencamp in Marokko gewesen!
Ich weiß, dass das völlig bescheuert und undankbar ist, aber ich saß dort auf der Düne beim Sonnenuntergang im Oman und natürlich war es wunderschön, aber eine kleine Stimme im Hinterkopf hat kurz gesagt „hm, in Marokko war es nicht so touristisch, die Autos stören hier schon ein bisschen, müssen die neben uns so laut reden“ usw.
Ist der Sonnenaufgang im Urlaub am dritten Tag noch genauso beeindruckend wie am ersten (oder letzten Tag) oder schaut man da doch mehr aufs Handy anstatt das Naturschauspiel zu betrachten?

Das selbe passiert schon bei kleinen Dingen „beim letzten Mal war in Dänemark das Wetter aber besser, deswegen war der Urlaub auch schöner“ oder „letztes Mal hat die Pizza in diesem Restaurant aber besser geschmeckt“. Man ist oft unbewusst am vergleichen und dies passiert, wenn man nicht bewusst im Hier und Jetzt ist.
Das geht Hand in Hand mit „früher war alles besser“ – im Winter gab es mehr Schnee, der Adventskalender letztes Jahr war schöner (ich sage nicht, dass es um sinnvolle Vergleiche geht, oft sind die Vergleiche weit davon entfernt), Weihnachten war besinnlicher usw… Selbst wenn es so sein sollte (wir Menschen neigen dazu vergangenes positiver in Erinnerung zu haben, als es eigentlich war), das ist egal – dieser Vergleich bringt uns nichts!

Es ist egal, ob das Brot gestern besser geschmeckt hat und auch egal was Du morgen essen wirst – das einzige was in diesem Augenblick zählt ist die Mahlzeit, die Du jetzt gerade isst. Die Aussicht, die Du gerade siehst, das was Du gerade tust, wer gerade um Dich herum ist. Ohne es in Verhältnis zu anderen Erfahrungen oder Eindrücken zu setzen, denn das macht uns in der Regel eher unglücklicher als glücklicher.

Neue bzw. gewohnte Dinge

Der zweite wichtige Punkt, den ich dieses Jahr noch mehr gelernt habe, ist, sich an den Alltagsdingen zu erfreuen. Natürlich gab es dieses Jahr viele Highlights für die ich sehr dankbar bin, aber sie machen eher unglücklich, wenn man die kleinen alltäglichen Dinge nicht zu schätzen weiß.
Denn ansonsten strebt man immer nach mehr… lebt von Highlight zu Highlight und die Zeit dazwischen – die, wenn wir ehrlich sind 90% unseres Lebens ausfüllt – wird nicht richtig gelebt.

Das müssen natürlich keine Urlaube sein, das kann das Feiern am Wochenende sein, das Ausschlafen am Wochenende, der Sport am Montag und Donnerstag, das monatliche Treffen mit seinen Mädels oder oder oder.
Der Sonnenaufgang vor meinem Fenster muss nicht weniger schön sein als am anderen Ende der Welt, der morgendliche Kaffee in Ruhe kann mir viel Freude bereiten, wenn ich ihn bewusst genieße. Was in meinen Augen dafür spricht, dass Multitasking (was wir laut Forschern eh nicht können – ja, auch wir Frauen nicht :)) auf ein Minimum beschränkt werden sollte, soweit der Alltag es zulässt.

Natürlich sind neue Impulse im Leben wichtig und auch neue Dinge auszuprobieren ist in meinen Augen gut, damit wir uns weiterentwickeln. Aber die meiste Zeit müssen wir das nicht, die meiste Zeit sind wir im Alltag mit den kleinen Dingen, die uns sehr zufrieden machen können, wenn wir es zulassen.

Am Ende ist es eigentlich recht einfach – man wird automatisch glücklicher, wenn man die Dinge, die man gerade tut, bewusst tut und sie zu schätzen weiß, ohne sie ins Verhältnis mit anderen Dingen zu setzen.
Manchmal klappt es, manchmal klappt es nicht so gut, aber das ist etwas, was ich im kommenden Jahr noch mehr tun möchte.

Liebste Grüße,
Ricarda

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  1. Suzan

    6. Dezember 2018 um 8:38

    Liebe Ricarda,

    du triffst den Nagel wieder einmal auf den Kopf. Ich kam aus dem zustimmend nicken gar nicht mehr heraus beim Lesen.

    Ich glaube, dass wenn man seinen Alltag bewusst lebt, man ihn auch bewusst gestalten kann. Wenn wir feststellen, dass wir Zwischen Sonntag und Freitag wenige Dinge erleben, die uns echte Freude bereiten, ist es vielleicht an der Zeit unsere Gewohnheiten zu überdenken und schöne Momente in den Alltag zu integrieren.
    Die Dinge, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken verändern sich. Wir entscheiden wohin wir unseren Focus legen und wie wir unser Leben gestalten. Achtsamkeit und das Leben im Hier und Jetzt sind zwei so wertvolle und starke Tools für mehr Glück im Alltag.

    Ich danke dir, liebe Ricarda, dass du immer wieder so wunderbare tiefsinnige Gedanken mit uns teilst.

    Antworten

    • Katharina

      6. Dezember 2018 um 12:45

      Liebe Suzan, vielen Dank für Deinen tollen Kommentar! Genau so :)

      Antworten

  2. Edith

    8. Dezember 2018 um 9:17

    Ging mir gerade wie Suzan.
    Ja, ja und wieder ja!
    Es ist genauso und ich muss mich echt an der Nase packen:-)
    Im hier und jetzt leben, den Moment genießen und bewusst (er)leben!
    Ab heute wieder viel mehr!!!!
    Danke Ricarda!

    Antworten

    • Ricarda

      9. Dezember 2018 um 9:19

      Hach das freut mich! Danke Edith :)

      Antworten

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