Mein Leben, Privates

Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein.
Ein Wort, welches ich früher eher als negativ empfunden habe. In meinen Ohren klang es oft nach Selbstüberschätzung oder nach einem zu großen Ego, wenn jemand gesagt hat, dass jemand anders selbstbewusst wirkt.

Bis ich in einer Yogastunde einmal den Satz gehört habe „Sei selbst bewusst, sei deiner Selbst bewusst.“ Dieser Satz ist so einfach und doch habe ich mir vorher noch nie Gedanken dazu gemacht, was dieses Wort zerlegt eigentlich heißt.

Ich bekomme hin und wieder Nachrichten, wo andere Frauen mir sagen, dass sie das, was ich mache toll finden, dass sie mich für meine Offenheit, meinen Mut oder meine Kreativität bewundern. Und oft denke ich – meinen die wirklich mich?! Ich tue doch nichts besonderes.

Ich war als Teenager alles andere als selbstbewusst, ich hatte jede Menge Ängste und zu viele Gedanken im Kopf. Ich habe mich nahezu verrückt gemacht mit Gedanken, was alles passieren könnte, was wie auf andere Menschen wirkt, was ich sage, was ich tue und was alles peinlich sein könnte. Ich hatte teilweise Angst davor mit anderen Leuten zu sprechen, wo ich nicht wusste, wohin sich das Gespräch entwicklen würde.
Überdeckt habe ich das mit einer ordentlichen Portion Arroganz und – naja sind wir ehrlich – überdurchschnittlich viel Taschengeld für mein damaliges Alter, sodass ich auf meine Aussenwelt wohl oft sehr selbstbewusst gewirkt habe.

Nach der Schule und einem relativ gutem Abitur holte mich die Wirklichkeit der realen Welt, die nicht mehr nur in meiner kleinen Blase stattfand, ziemlich schnell ein.
Da half das ganze „so tun als ob“ nicht mehr – ich bekam Angstzustände und flüchtete mich eine Zeitlang viel zu oft in meine eignen vier Wände, ohne tagelang die Wohnung zu verlassen. Alles war anstrengend, selbst das Aufstehen, Duschen und Zähneputzen war an manchen Tagen schon ein Erfolgserlebnis.

Warum ich euch das erzähle? Damit ihr wisst, sollte es euch ähnlich wie mir damals gehen, dass Menschen nicht zwangsläufig selbstbewusst auf die Welt kommen. Das ist etwas, woran man arbeiten kann, genau so wie daran, sich seinen Ängsten zu stellen, mutiger und offener zu werden.
Ich weiß noch, als ich vor ca. 5 Jahren die Eltern meines damaligen Freundes kennenlernen sollte. Ich habe mir noch im Auto überlegt, wie ich aus dieser Situation herauskomme und habe gemerkt, dass ich mich – mal wieder – in meine Angst hineinsteigerte. Ich war mir meiner selbst einfach überhaupt nicht bewusst, was für mich heute im direkten Zusammenhang mit vielen meiner damaligen Ängste steht,

Heute weiß ich, dank viel Arbeit an mir in meinen Zwanzigern, besser als jemals zuvor wer ich bin. Was ich gut kann, was ich nicht so gut kann. Es macht mir nichts mehr aus, wenn ich etwas nicht kann und Hilfe von anderen annehme (meistens :)), mir sind nahezu fast keine Dinge mehr wirklich peinlich und auch die Ängst sind – abgesehen von der Flugangst, die hin und wieder noch auftaucht – zum großen Teil verschwunden. Ich habe gelernt auf mich und meinen Körper besser zu hören, und nehme an, dass ich mein eigenes Tempo habe, was für manche sehr schnell, für andere wieder langsam erscheinen mag. Das ist mir egal – es ist mein Tempo, welches für mich richtig ist.

Die Unsicherheit hat etwas anderem Platz gemacht. Die Neugier auf die Welt, auf die Fülle des Lebens, die Lust auf kleinere oder größere Abenteuer, auf „probier doch einfach mal aus“ und „was kann schlimmsten Falls passieren“. In der Regel kann nichts schlimmes passieren.

Ich wurde mal gefragt, wie ich dahin gekommen bin. Nicht mit großen Schritten und von heute auf morgen. Ich lerne immer noch dazu und liebe es, Neues zu entdecken.
Zum Beispiel alleine mit dem umgebauten Camper (wo noch eine Room Tour kommen wir, versprochen) wegzufahren und alleine dort drinnen zu schlafen, davor werde ich Angst haben. Aber es sind keine Ängste mehr, die mir die Luft nehmen, sondern gute Bedenken, denen ich mich gerne stelle.
Also fangt einfach an, mit kleinen Babyschritten und macht auf euch die Reise zu euch selbst, solltet ihr es noch nicht gemacht haben.
Ich kann euch versprechen – es lohnt sich.

Liebste Grüße,
Ricarda

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14 Kommentare
  1. Skadi

    25. April 2019 um 20:05

    So ein toller Text! Vielen Dank dafür!!!
    Ich selbst habe eine therapierte Angststörung.. sie wird für immer bleiben leider und macht mir in mancher Hinsicht das Leben schwer! Ich kann zb keine Autobahn fahren als Fahrer, so komme ich nicht zu meiner besten Freundin oder meiner Schwester die 400 km weit weg wohnt. Und ich habe auch Flugangst und möchte aber so gern reisen! Ich kann mich nicht überwinden und das schlimme ist, ich habe zu viel emphatie und das wird sehr oft ausgenutzt und ich werde behandelt wie ein kleines Kind! Ganz schlimm ist das! Da fehlt mir auch einfach das Selbstbewusstsein!

    Antworten

  2. Nina

    25. April 2019 um 20:09

    Liebe Ricarda.
    Vielen lieben Dank für deine offenen und auch privaten Worte.
    Ich lese mich teilweise selbst in deinen Zeilen. Habe auch meinen Weg gefunden, auch wenn es manchmal schwer war und teils immer noch ist.
    Ich möchte dir viel positives rüber schicken und noch gaannzz viel Selbstbewusstsein. Oft ist man auch gemeinsam stärker. So wie du mit deiner Schwester. Ich bewundere was ihr geschafft habt und freue mich auf das was von euch noch kommt.
    Einfach mal Danke.
    LG Nina

    Antworten

  3. Katrin

    25. April 2019 um 20:51

    Vielen Dank für Deine offenen Worte! Sehr mutig! 😘
    Viele Grüße, Katrin

    Antworten

  4. Ilona

    25. April 2019 um 20:55

    Hallo Ricarda,
    vielen Dank für deine Offenheit. Es gibt so viele Menschen denen es so geht wie dir bzw. wie es dir ging. Mir erging/ ergeht es ebenso. Aber das Leben ist eine Entwicklung und man kann sich selbst bewusst machen und beeinflussen in welche Richtung die Entwicklung stattfinden kann.
    Liebe Grüße
    Ilona

    Antworten

  5. Steffi

    25. April 2019 um 20:58

    Ganz toller Artikel. Respekt für die offenen Worte.

    Antworten

  6. Rike

    25. April 2019 um 21:36

    Liebe Ricarda,
    Vielen, vielen lieben Dank für diesen offenen Post! Ich bin sehr beeindruckt, wie offen Du uns alles schreibst und erzählst. Und noch beeindruckter, was für eine Verwandlung du durchgemacht hast. Wenn man das liest, kann man wirklich glauben, dass man alles schaffen kann. Danke!
    LG Rike

    Antworten

  7. Karin

    25. April 2019 um 23:34

    Liebe Ricarda,
    das, was du schreibst, kenne ich auch. Mittlerweile bin ich über 50 und bin relativ gelassen geworden. Was ich gelernt habe, ist, dass man sich niemals mit anderen Personen vergleichen sollte. Vermeintlich sind andere immer besser, sympathischer, erfolgreicher, etc. Erstaunlicherweise denken die anderen das von mir aber genauso. Und das zeigt doch, dass es eigentlich sehr sehr vielen Leuten ähnlich geht. Eigentlich wären mit dieser Erkenntnis Zweifel, Ängste und Sorgen überflüssig. Ich merke immer mehr, dass die eigene Verletzlichkeit/Authentizität nur eines bewirkt: für das Gegenüber viel sympathischer zu werden und individuell zu bleiben. Diese Individualität wirkt extrem anziehend auf andere Menschen, weil man dadurch eine Art Vorbild ist und andere mit dem Mut ansteckt, seinen eigenen Weg zu suchen und zu entdecken. Und es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Lebenswege sind.
    Vielen Dank für deine Offenheit und das Teilen deiner Erfahrungen, sehr sympathisch 🥰

    Antworten

  8. Tina @bebususa

    26. April 2019 um 9:28

    Liebe Ricarda!
    Das ist ein sehr schöner Blog Eintrag, einfach deshalb, weil er so ehrlich ist. Auch das ist Mut. Respekt!
    Die Reise zu mir selbst, hab ich vor langer Zeit angetreten und jetzt, mit Anfang 50 🙈, stelle ich immer wieder fest, um wieviel leichter das Leben doch so ist!
    Ich find’s super, das du hier so ehrlich bist und wenn du nur eine Handvoll Menschen damit dazu bringst, diese Reise anzugehen, hast du ‚alles-richtig-gemacht‘.
    Ich hab mit meinen Kindern angefangen😉
    Liebste Grüße Tina

    Antworten

  9. Carolin

    26. April 2019 um 10:43

    Danke, liebe Ricarda für die ehrlichen und mutigen Worte!!
    Ich habe mich beim Lesen teilweise in deinem Beitrag wieder gefunden und gerade heute passt er wie die Faust aufs Auge…
    Liebe Grüße
    Carolin

    Antworten

  10. Anna

    26. April 2019 um 19:32

    Liebe Ricarda, vielen Dank für deine tollen und offenen Worte. Ich bin gerade sehr gerührt und fühle mich so verstanden. Es tut so gut zu wissen das man nicht alleine ist damit.

    Mir geht es momentan so wie es dir damals ging…
    Ich verlasse kaum das Haus und manchmal fällt mir jedes aufstehen und aufraffen für den Alltag schwer… Ich lebe 650 km weit von all meinen Freunden und der Familie entfernt und habe höllisches Heimweh. Seit über 6 Jahren komm ich in meiner neuen Heimat einfach nicht richtig an und wir streben auch den Gang zurück an. Leider zieht sich das aus beruflichen Gründen noch etwas in die Zukunft… Ich wünschte mir so oft ich würde einen Weg finden hier Menschen kennen zu lernen, Freunde zu finden und Gründe finden „mal raus zugehen….“ Aber:

    Ich habe immer Angst! Angst vor so vielem und auch das andere Menschen mich einfach nicht leiden können und mich einfach doof finden. Ich bin mir auch selbst bewusst (*g) das dass totaler Schwachsinn ist! Trotzdem ist die Angst immer wieder da…

    Dein Text macht mir Mut. Mut dass ich es schaffen werde mich aus diesem „Loch“ raus zu kämpfen. Dafür danke ich dir. 💕

    Liebe Grüße,
    Anna

    Antworten

  11. Viola studre

    27. April 2019 um 9:58

    Moin liebe Ricarda, da sagst Du was…und das geilste ist….das mit der Selbstfindung geht immer und immer weiter, wenn man es will, keine Angst hat mit sich selber zu beschäftigen, denn die meisten Menschen haben doch am meisten Angst, bei sich selber hinzuschauen. Meinen ersten großen Schritt habe ich mit Anfang 20 gemacht, damals dachte ich schon…boah non ich weise 😜🙈😂😂😂….am Arsch …ich war einfach nur größenwahnsinnig und stur…mit Ende 30 ein richtig großer Schritt und jetzt mit 51….fühle ich mich so gut, so ehrlich mit mir selber und angekommen bei mir…will sagen, dieser Weg lohnt sich und macht Spaß

    Antworten

  12. Aline

    27. April 2019 um 10:13

    Genau! Mir erging es recht ähnlich wie dir, viele Selbstzweifel, Sorgen und Ängste. Seit ich für mich mit der selben Frage arbeite: „Was wäre hier das worst case scenario?“, bin ich an sehr vielen Stellen extrem viel entspannter geworden.

    Ich glaube, wir sind so ziemlich ein Jahrgang und ich muss sagen, ich bin über jedes weitere Lebensjahr glücklich, hätte überhaupt gar keine Lust noch mal Anfang 20 oder gar Teenager zu sein und freue mich auf alles, was noch kommt.

    Ich arbeite neuerdings in einem Team in dem die meisten Mitarbeiter (alles Jungs) zwischen 20 und 30 sind und es ist echt noch mal ein Ego-Push zu sehen, was ich alles hinter mir gelassen haben ;) was die so umtreibt ist mir inzwischen echt Banane.

    Antworten

  13. Biggi

    27. April 2019 um 11:11

    Danke, liebe Ricarda für diese ehrlichen Worte!! Das baut einen richtig auf, wenn man liest, dass andere auch diese Probleme haben bzw. hatten.

    Ich selber wusste lange nicht, wie man Selbstbewusstsein „schreibt“. Ich habe als Kind und Teenager von meiner Mutter immer nur gehört, was ich nicht kann, nicht darf und was nicht gut für mich ist. Auch als ich schon verheiratet und selber Mutter war, konnte sie das nicht lassen und spielte dann immer die Beleidigte, wenn ich ihr meine Meinung gesagt habe. „Was sollen denn die Leute denken“, das war ihr Standardsatz, den sie mir bis zum „Erbrechen“ immer wieder um die „Ohren gehauen“ hat. Es hat lange gedauert, bis ich mich davon befreien konnte. Jetzt bin ich Großmutter einer knapp vierjährigen Enkeltochter und schaue sehr darauf, dass diese alles ausprobieren darf, altersgemäß natürlich. GottseiDank sind Sohn und Schwiegertochter in dieser Hinsicht auch sehr offen und locker.

    Jetzt bin ich soweit, dass ich nur noch das tue, was mir gut tut und wenn es ein ganzer Tag an der Nähmaschine ist und alles andere liegenbliebt. Was die Leute denken, ist mir mittlerweile sowas von egal. Wie sagte doch schon Robert Bosch „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“.

    Liebe Grüße, Biggi

    Antworten

  14. Susanne Karsten

    28. April 2019 um 16:41

    ❤️lichen Dank für deine offenen Worte.Ich schätze es sehr!Mir ging es mit 20zig genauso. Ich habe ganz schön gekämpft um selbstbewusster und offener zu werden.Jetzt mit fast 60 geht es mir damit sehr gut, ab und zu gibt es mal eine Situation die mich überfordert aber das sind die besten Herausforderungen.Liebe Grüße Susanne

    Antworten

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  • Es geht im Blog dann auch mal weiter mit dem Camper Umbau! 🙈😅
Ja, es wird irgendwann eine Roomtour geben (wenn ich den Camper habe, das Wetter gut ist, es Wochenende ist und Nadine Zeit hat 😄), bis dahin geht es aber weiter mit den offiziellen Umbau. Heute zum Thema - warum die Trennwand ersetzt wurde und warum wir keinen offenen Grundriss haben wollten. 
Link im Profil. 
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